Mobilcom Der Vorstand schlägt zurück

Nachdem Sybille Schmid-Sindram vor einer Woche die Mobilcom-Spitze zur außerordentlichen Hauptversammlung beordert hat, schlägt das Gremium jetzt zurück. Die Millenium-GmbH der Frau des Mobilcom-Gründers soll auf Rückzahlung von über 70 Millionen Euro verklagt werden.

Büdelsdorf - Der Streit zwischen dem Telefonkonzern Mobilcom und der Familie von Firmengründer Gerhard Schmid nimmt an Schärfe zu: Mobilcom will nach eigenen Angaben die Firma Millenium GmbH verklagen. Millenium gehört der Ehefrau von Schmid, Sybille Schmid-Sindram. Die GmbH soll im Falle einer erfolgreichen Klage 70,9 Millionen Euro zurückzahlen.

Diese Summe zahlte das Büdelsdorfer Unternehmen im vergangenen Jahr als Prämien im Rahmen eines Aktien-Optionsprogramms. Zugleich kündigte Mobilcom am Mittwoch eine außerordentliche Hauptversammlung auf Antrag von Millenium an. Termin und Tagesordnung sind noch offen.

Laut einer Tagesordnungsliste, die manager-magazin.de vorliegt, wird darin der Rücktritt der Aufsichtsratsmitglieder Helmut Thoma (Ex-RTL-Chef), Klaus Ripken, Carsten Meyer, Ex-Thyssen-Vorstand Dieter Vogel, Brigitte Bourgoin und Eric Bouvier gefordert.

Harte Vorwürfe gegen den Aufsichtsrat

Den beiden Letztgenannten wird vorgeworfen, einseitig im Interesse von France Telecom agiert zu haben. Die anderen vier haben sich aus Sicht von Sybille Schmid-Sindram nicht rechtzeitig um die Refinanzierung eines im Juli fälligen Milliarden-Kredits gekümmert und der France Telecom unzulässig Zugang zu allen Firmendaten gewährt. Dies sei lediglich bei Firmen-Übernahmen zulässig - France Telecom hält aber weniger als ein Drittel aller Mobilcom-Aktien.

Schmids Ehefrau, die etwa zehn Prozent der Mobilcom-Aktien besitzt, wird von einer Reihe von Minderheitsaktionären gestützt. Sie alle wollen Klarheit im Streit mit France Telecom. So steht für sie die Frage im Mittelpunkt, ob der Großaktionär für die noch ausstehenden Anteile ein Übernahmeangebot abgeben wird. Der französische Staatskonzern hat sich bislang mit einer Offerte zurückgehalten.

Wird es eng für Gerhard Schmid?

Gerhard Schmid selbst hält noch knapp unter 40 Prozent der Mobilcom-Anteile. Schmid hatte seinen Posten als Firmenchef auf Druck des Mobilcom-Großaktionärs France Telecom im Juni räumen müssen.

Nachdem die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO in einem Gutachten vom Mai 2002 im Rahmen des Optionsgeschäfts Gesetzesverstöße des damaligen Vorstandsvorsitzenden Gerhard Schmid festgestellt hatte, forderte der Aufsichtsrat von der Millenium GmbH eine Rückabwicklung. Diese ist bislang aber nicht erfolgt. Die Mobilcom AG erklärte nach eigenen Angaben den mit der Millenium GmbH geschlossenen Vertrag für nichtig und fordert die Rückzahlung der 70,9 Millionen Euro.

Die "mehrfachen Gesetzesverstöße" haben Mobilcom nach eigenen Angaben zu dieser Klage veranlasst, da sie den Verdacht auf unrechtmäßige Bereicherung begründeten. Mobilcom behalte sich weitergehende Schadenersatzansprüche gegen Gerhard Schmid und die Millenium GmbH vor.

Die Millenium GmbH widerspricht den Äußerungen des Mobilcom-Vorstands. Die Klage sei gegenstandslos, ließ die Gesellschaft über eine Pressemitteilung verbreiten. Denn in einem Sondergutachten der auch von der Mobilcom bemühten BDO sei die rechtliche Wirksamkeit des Optionsgeschäftes ausdrücklich bestätigt worden.

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