Filmfonds Ein Künstler als Kaufmann

Regisseur, Produzent und Fondschef in einer Person - Uwe Boll aus Frankfurt will mit der Verfilmung eines Videospiel-Hits nicht nur künstlerischen Ruhm ernten, sondern seinen Investoren auch eine erkleckliche Rendite bieten.

Frankfurt / Hollywood - Regisseur Roland Emmerich hat es mit seinem Blockbuster "Independence Day" geschafft, Kameramann Michael Ballhaus gelang bezeichnenderweise mit "The Colour of Money" von Martin Scorsese der Durchbruch: Zwei Deutsche, die in Hollywood die Karriereleiter erklommen - und den Aufstieg in hohe Gehaltsklassen schafften.

Jetzt will der nächste Deutsche in Hollywood für Furore sorgen: Multi-Manager Uwe Boll aus Burscheid. Schafft der Mit-Dreissiger den Durchbruch, könnten einige Privatanleger ebenfalls profitieren. Denn wenn Boll einen Film zum Kassenhit macht, profitieren auch die Investoren in seinen bisher vier Fonds.

Der gelernte Regisseur hat in Los Angeles bereits mit englischen Spielfilmen Achtungserfolge erzielt. Dadurch erlangte er in Deutschland auch als Filmfonds-Anbieter einen guten Ruf: Mit 41 Prozent Ausschüttung nach einem Jahr (und nach Steuern) belegt er im europaweiten Rendite-Ranking einen Spitzenplatz.

Investieren in den Nachfolger von "Tomb Raider"

"Endlich zu Hause", denkt Regisseur Uwe Boll, als er nach drei Monaten im kanadischen Vancouver wieder in Frankfurt landet. Nicht die 10 Stunden "Holzklasse" stecken ihm in den Knochen, sondern drei Monate harter Dreharbeiten. Seit zweieinhalb Jahren produziert der 36-Jährige US-Spielfilme für den Weltmarkt.

Jetzt hat Boll sein bisher größtes Projekt abgedreht: die Verfilmung des Sega-Videospiels "House of the Dead", eine Action-Story mit weltweit 40 Millionen Spielern. Damit ging nach "Lara Croft - Tomb Raider" der Zuschlag für ein weiteres weltweites Video-Kinospektakel des japanischen Unterhaltungskonzerns an einen Deutschen.

100 Komparsen als Zombies

"Tot wie ein Zombie" fühlte auch Boll sich oft, wenn er nach 14 Stunden Arbeit in den Studios mit einer Menge Spezialeffekten abends ins Hotelbett fiel. "10 Explosionen, 80 Stunts, 15.000 Schüsse" notierte er in seinem Dreh-Tagebuch.

Bis zu 100 Komparsen wurden als Zombies verkleidet, verbrachten täglich mindestens vier Stunden in der Maske. Jede Abwechslung war willkommen - zum Beispiel, als sich der Sega-Chef in den USA, Peter Moore, unter die Schauspieler mischte und auf das Kommando "Action!" wie alle anderen in den Matsch warf. Aus Deutschland dabei: Jürgen Prochnow ("Das Boot").

Vermarktungsphase - in 50 Ländern wird verhandelt

Die Mühe soll sich lohnen: "Die Major Companies sind alle am Vertrieb des Films interessiert", sagt Boll - Warner Brothers, Universal, Sony. "Kaufangebote aus mehr als 50 Ländern liegen vor. Jetzt geht es darum herauszufinden, welcher Verkauf das meiste Geld für meinen Fonds bringt." Er meint seinen dritten Fonds (Dritte Boll Kino Beteiligungs-GmbH & Co.KG, www.bollinvest.de), der noch bis Ende Oktober für Investoren offen ist.

Boll ist auf internationalem Level Deutschlands einziger bekannter Regisseur, Produzent und Filmfondsmanager in Personalunion. Sein Konzept: US-Spielfilme für den Weltmarkt produzieren und die Finanzierung über eigene Fonds steuern. "So besitze ich volle künstlerische und kaufmännische Kontrolle."

Branchenkritik: Hollywoods Weg, Verlierer zu formen

Offenbar geht es auf. Von bisher vier Fonds sind zwei geschlossen. Der erste brachte eine Ausschüttung von 24 Prozent nach einem Jahr, der zweite schon 41 Prozent nach Steuern, plus aller steuerlichen Verlustzuweisungen. Zum Vergleich: Zehn Prozent vor Steuern gelten in der Filmfonds-Branche allgemein schon als gutes Ergebnis.

Boll bekam in das harte Hollywood-Business detailliert Einblick, als er sechs Jahre lang die Geschäfte von Taunus Film International in Wiesbaden führte.

Heute sagt er kühl: "Ich vertraue Hollywoods Filmvertriebsfirmen nicht. Bei Co-Produktionen ist immer der der Verlierer, der das Geld bezahlt." Je mehr Zwischenabnehmer oder Filmvertriebe zwischen dem Anlegergeld und den Filmerlösen lägen, umso geringer sei der Erlös des Anlegers.

"Tomb Raider - oder wie ein Videospiel für volle Kinokassen sorgt

Daher sieht Boll sein Filmfonds-Konzept als Gegenentwurf zu hiesigen Angeboten. Statt "Geld nach Hollywood zu pumpen", organisiert Boll heute alles selbst mit festen Kooperationspartnern und Dienstleistern. Der Studiobetrieb "Shavick Entertainment" in Vancouver organisiert die Castings der Schauspieler, stellt Drehteams und Drehorte zur Verfügung.

Ohne Top-Schauspieler keine Rendite

Dann steht Boll selbst als Regisseur am Set. Die Nachbearbeitung mit Synchronisation und Computeranimation wird in den Frankfurter "Herold und Besser Studios" erledigt, die Musik kommt von Orchestermusikern aus Warschau.

Immer aber hat Boll die Hand auf dem Geld. Seine US-Vertriebspartner ("Die verkaufen am besten") erhalten von ihm nur VHS-Cassetten zur Präsentation bei den weltweiten Kunden. Beißt einer an, muss er direkt an Boll das Geld überweisen und bekommt dann von ihm die kinofähige Version. Die US-Vertriebspartner erhalten fixe zehn Prozent vom Verkaufserlös.

Damit seine Filme weltweit vermarktbar sind, dreht Boll ausschließlich mit in den USA gelisteten Schauspielern. In dem Serial-Killer-Thriller "Sanctimony" (2000) spielen u.a. Eric Roberts und Caspar van Dien mit, in dem Psycho-Schocker "Blackwoods" (2001) Patrick Muldoon und Michael Pare. Eine Ausnahme macht Uwe Boll bei Jürgen Prochnow. "Der ist auch weltweit zu vermarkten." Prochnow spielt in "The Heart of America" (2001/2), einer ernsten Geschichte über Gewalt an US-Schulen, den Schuldirektor.

40 Millionen verkaufte Spiele als Lockmittel

Bolls erster professioneller Film, "German Fried Movie" (1991), wurde von Bertelsmann-Ufa gekauft und lief in rund 50 deutschen Kinos. Es folgten "Barschel - Mord in Genf?" (1992) oder "Das erste Semester" (1996).

Mit dem Film "House of the Dead" will Boll jetzt den Sprung in die A-Liga des weltweiten Kinofilms schaffen - und schnell in die Gewinnzone kommen. Dabei macht er Anlegern folgende Rechnung auf: Während das Sega-Videospiel "Lara Croft - Tomb Raider" 25 Millionen mal verkauft wurde und 45 Millionen Kino-Zuschauern erreichte, bringt "House of the dead" bereits eine Spiele-Verkaufszahl von 40 Millionen zum Kinostart mit.

Das Spiel gehört zu den weltweit bekanntesten, der Film könnte also ebenfalls Massen vor die Leinwand locken. Gelingt das nicht, haben die Investoren trotzdem passable Renditechancen: Für den Break-even benötigt Boll nach eigenen Angaben lediglich zwei Millionen Zuschauer.

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