Pleite-Manager Das Luxusleben der Betrüger

Während amerikanische Kleinanleger unter den Folgen der Pleitewelle leiden, verprassen ehemalige Top-Manager die ergaunerten Millionen. Auch neue Gesetzentwürfe lassen genug Spielraum für die Raubritter des Kapitalismus.

Washington - Scott Sullivan (40), der gefeuerte Finanzchef im Zentrum des Bilanzschwindels beim inzwischen bankrotten US-Kommunikationsriesen Worldcom, ist nach wie vor ein viel beschäftigter Mann.

Während tausende von Kleinaktionären, die teilweise ihre ganzen Lebensersparnisse verloren haben, verzweifelt sind, überwacht Sullivan den Ausbau seines 15 Millionen Dollar teuren Anwesens in Florida.

Das Insolvenzrecht im sonnigen Bundesstaat macht's möglich: der wegen Betrugsverdacht angeklagte Manager braucht selbst im Fall eines persönlichen Bankrotts um seine Immobilie nicht zu fürchten. Aktionäre und Investoren sind empört.

Sullivans Residenz liegt in bester Lage, Le Lac Road in Boca Raton mit Blick auf einen See. 117 Fenster, 87 Türen, neun Kühlschränke, vier Mikrowellen, Garagen für sechs Autos, eine fünf Quadratmeter große Badewanne, ein Kino, einen Fitnessraum und sechs Whirlpools zählten Lokalreporter. 1500 Quadratmeter Wohnfläche steht in den Architektenplänen. Vor dem Eingang auf schweren korinthischen Säulen wachen zwei schwere Steinlöwen.

My Home is my Castle

Auch Kenneth Lay, der ehemalige Chef des ebenfalls in Konkurs gegangenen Energiekonzerns Enron, braucht sich über sein sieben Millionen Dollar teures Penthouse in Houston/Texas zunächst keine Sorgen zu machen. Wie in Florida und einer Hand voll anderen Bundesstaaten ist auch dort die Bleibe im Falle einer persönlichen Pleite unantastbar.

"Viele Leute, die sehen, dass sie in finanzielle Schwierigkeiten geraten, bauen noch schnell einen Swimmingpool oder stecken ihr Geld auf andere Art ins Haus", sagt der Rechtsprofessor Jeffrey Davis von der Universität Florida. "Das Geld ist dann vor ihren Gläubigern sicher." Florida gilt bereits als Paradies für Reiche mit Geldsorgen.

Ex-Footballstar O.J. Simpson kaufte sich in Miami für mehrere Millionen Dollar schnell ein Haus, als ein Gericht in Kalifornien ihn im Zusammenhang mit dem gewaltsamen Tod seiner Frau und ihres Freundes zu 33,5 Millionen Dollar Schadensersatz verklagte. Und Schauspieler Burt Reynolds behielt sein 2,5 Millionen Dollar teures Anwesen namens Valhalla in Florida, obwohl er 1996 Bankrott anmeldete und acht Millionen Dollar Schulden abschrieb.

"Die Reichen können ihre Anwesen behalten"

Die Regierung will das Insolvenzrecht jetzt schnellstens ändern. Doch auch der neue Gesetzentwurf stößt schon auf Kritik. "Die Reichen können ihre Anwesen behalten", beklagt der Verbraucherverband (SFA).

Wer sein Haus mindestens 40 Monate vor der Bankrotterklärung kaufte, soll es weiterhin behalten dürfen. Nur, wenn die Justiz dem Besitzer persönlich schweren Betrug nachweisen und eine Verurteilung erreichen kann, sollen die Behörden Zugriff haben.

Die ehemals Schwindel erregenden Gehälter und der Reichtum der gefallenen Wirtschaftslenker rückt im Schatten der Skandale immer mehr in die Schlagzeilen. 1985 erhielten Topmanager rund 70 mal so viel Gehalt wie ihre Angestellten, rechnete die "New York Times" vor. Während der bei Worldcom als Finanz-Wunderkind gefeierte Sullivan die Bücher frisierte, kassierten die Top-Manager astronomische Gehälter.

Sullivans Jahresgehalt stieg von 1998 bis 2000 von 500.000 auf 700.000 Dollar. Dazu kamen Boni von mehr als 14 Millionen Dollar und ungezählte Aktienoptionen. Um den letzten Bonus von 10 Millionen Dollar streitet Sullivan inzwischen vor Gericht mit WorldCom, das eine Rückzahlung verlangt. Der ehemalige Tyco-International-Chef Dennis Kozlowski soll 135 Millionen Dollar Firmengeld privat ausgegeben haben, etwa für wertvolle Bilder in seiner Wohnung in New York und einen 6000 Dollar teuren goldenen Duschvorhang. Andrew Fastow, ehemals Finanzchef bei Enron, hat durch dubiose Partnerschaften mit seinem Arbeitgeber 45 Millionen Dollar verdient.

Ob und wie viel von diesem Geld je zurückgezahlt wird, ist offen. Vieles hängt davon ab, ob die Behörden kriminelles Handeln nachweisen können. Bei Enron hat der erste Ex-Manager, Michael Kopper, inzwischen Delikte zugegeben. Mit seiner Hilfe hofft die Justiz, nun auch die großen Fische zur Verantwortung ziehen zu können.

Christiane Oelrich, dpa