Gründer-Kolumne Kanon für die "Killerreform"

Vom Ausgang einer Wahl kann ein positives Signal für die Zukunft ausgehen - muss aber nicht. Denn entscheidend sind nicht die erreichten Prozente einer Partei, sondern die anschließenden Reformen für das Gründungswesen in Deutschland.

Wenn es darum geht, positive Lichtblicke für einen neuen Gründerboom in Deutschland zu prognostizieren, dann wird oftmals auf den Ausgang der Bundestagswahl am 22. September verwiesen. Es scheint gerade so, als könne sich die Branche aus dem derzeitigen Pessimismus nicht selbst befreien, sondern warte wie ein angeschlagener Patient auf eine externe "Glücksinfusion" durch die alte oder neue Regierung.

Dabei werden heute schon Versprechungen auf staatliche Unterstützungen der Gründer eingefordert und Anforderungen an Reformen, zum Beispiel bei der Besteuerung junger Unternehmen, formuliert. Doch kann die Politik, wer auch immer sie in Zukunft bestimmen wird, diesen Anforderungen - insbesondere für die New Economy - gerecht werden?

Sie kann.

Der Katalog an möglichen Maßnahmen ist dabei so vielfältig, wie das Spektrum der politischen Kandidaten:

Warum die Regierung ein Start-up ist

  • Einführung eines bonitätsfreien Sockelbetrags: Als Starthilfe bekommt der Gründer ohne Genehmigungsverfahren auf seine eigene Einlage von 10.000 Euro vom Staat einen zusätzlichen Zuschuss von 10.000 Euro für notwendige Investitionen.


  • Senkung des notwendigen Grundkapitals: Möglich wäre eine Anpassung von 25.000 Euro auf 10.000 Euro zur Erleichterung der Unternehmensgründung. In England braucht man zum Vergleich für die Gründung einer Limited-Gesellschaft (Ltd.) nur 175 Euro.


  • Einfachere Genehmigungsverfahren für öffentliche Hilfen: Für die Inanspruchnahme von öffentlichen Fördergeldern wird eine Anlaufstelle benötigt, die gleichzeitig auch Entscheider ist. Im Moment brauchen Gründer, laut Deutscher Ausgleichsbank, fast neun Genehmigungen bis das Geld tatsächlich überwiesen wird.


  • Einfacheres Arbeitsrecht für junge Unternehmen: Dies gilt insbesondere hinsichtlich einer Flexibilität bei Anstellungsverhältnissen und für Kündigungsregelungen in den ersten zwei Jahren. Auch im Rahmen der Arbeitsplatzgestaltung könnte am Anfang auf so manche Luxusschikanen verzichtet werden.

Weitere Maßnahmen sind denkbar, unter anderem diese:

  • Zusammenführung der Förderprogramme: Hierbei sollte die Zahl von über 100 unterschiedlichen Programmen auf maximal 5 reduziert werden. Diese müssen dann über klare Kriterien zur Erfüllung der Fördervoraussetzungen verfügen.


  • Aufbau von staatlichen Gründerzentren: In jeder größeren deutschen Stadt könnte in entsprechenden Zentren - zum Beispiel bei Arbeitsämtern für die schnelle Vermittlung von Hilfskräften - die Bereitstellung von kostengünstigen Büroflächen und Infrastruktur für junge Unternehmen erfolgen.


  • Entwicklung eines Schulfaches "Unternehmertum": Wenn Schulen auf das Leben vorbereiten sollen, dann erscheint es nur zweckmäßig neben der Hinführung zu weiteren Ausbildungsschritten auch die Grundlagen für die Selbstständigkeit während der Oberstufe an deutschen Gymnasien zu kommunizieren.


  • Ausbau von Studiengängen zum "Entrepreneurship": Die Etablierung von Lehrstühlen und Studiengängen zum Thema Gründung an deutschen Hochschulen ist zwar in den letzten Jahren weiter vorangeschritten, jedoch im Verhältnis zum Unterricht zu einzelnen Funktionsbereichen eines Unternehmens, zum Beispiel Marketing, zu unterentwickelt.
Bei der Betrachtung der angeführten Maßnahmen gibt es nur ein Problem. Man kann nicht genau wissen, welche Maßnahme - wenn sie überhaupt schon genannt wurde - sich als die "Killerreform" erweist, die einen neuen Gründerboom in Deutschland entfachen wird.

Vor diesem Hintergrund ist die Regierung ab dem 22. September eigentlich wie ein Start-up in der New Economy anzusehen. Man steht am Anfang einer hoffentlich positiven Entwicklung und ergreift die richtigen Reformmaßnahmen. Dabei sollte auch hier gelten: Nur wer sich bewegt, kann etwas bewegen.

Ach ja, einen Unterschied im Start-up-Vergleich zur New Economy gibt es dann doch - es wird kein eigenes Geld, sondern das der Steuerzahler verbrannt. Daher kann die Entscheidung am 22. September auch einmal anders interpretiert werden. In welche Partei würden Sie Ihr Geld zur Rettung des Standorts Deutschlands investieren?

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