MP Travel Line Prozess mit neun Jahren Verspätung

Betrug, Steuerhinterziehung - neun Jahre nach der Pleite sind viele Anklagepunkte verjährt.

Frankfurt/Main - Neun Jahre nach dem Zusammenbruch des Reiseveranstalters MP Travel Line hat am Donnerstag vor dem Frankfurter Landgericht der Prozess gegen vier Ex-Manager der Firma begonnen.

Die Anklage wirft dem ehemaligen Gesellschafter (47) Kreditbetrug, Konkursverschleppung, Betrug und Steuerhinterziehung vor. Der einstige Buchhalter (56) ist wegen Beihilfe zum Kreditbetrug angeklagt. Zwei Ex-Geschäftsführerinnen müssen sich wegen verspäteter Bilanzerstellung und nicht ordnungsgemäßem Führen der Bücher verantworten.

Laut Anklage war MP Travel Line im April 1990 gegründet worden und bestand Ende 1992 aus zehn Gesellschaften in Deutschland, Portugal, Türkei uns der Isle of Man. Staatsanwältin Christina Köhler sprach davon, dass die Firmengruppe bereits Ende 1992 "hoffnungslos überschuldet" gewesen sei. Dennoch sollen die Angeklagten ihrer Hausbank, der Frankfurter Sparkasse, einen manipulierten Bilanzabschluss vorgelegt und damit ihren bestehenden Kredit auf 9,3 Millionen Mark erweitert haben.

Im Juli 1993 sei beim Frankfurter Amtsgericht ein Vergleichsantrag eingereicht worden, der von den Richtern aber abgelehnt wurde. Stattdessen sei das Konkursverfahren eingeleitet worden. MP Travel Line habe Buchungen und Zahlungen von Kunden weiter entgegen genommen, obwohl bereits klar war, dass diese Leistungen nicht mehr erbracht werden konnten. Außerdem soll das Unternehmen einer Druckerei im Allgäu 1993 einen Druckauftrag in Höhe von 1,8 Millionen Mark für neue Prospekte erteilt haben.

Zahlreiche Vorwürfe sind inzwischen verjährt

Zum Prozessauftakt betonte der Vorsitzende Richter Klaus Drescher, dass sich das nunmehr neun Jahre andauernde Verfahren vor allem mit der großen Arbeitsbelastung der Justiz begründe.

Mittlerweile seien allerdings viele der Vorwürfe - insbesondere gegen die Geschäftsführerinnen - verjährt. Die Verteidiger der Angeklagten hatten deshalb den Antrag gestellt, das komplette Verfahren einzustellen, weil die lange Dauer gegen die Europäische Menschenrechtskonvention und damit gegen das Recht auf ein faires und zeitnahes Verfahren verstoße. Die Richter lehnten dies ab. Die Angeklagten wollen sich vorerst zu den Vorwürfen nicht äußern.

Die Pleite des Reiseveranstalters MP Travel Line hatte 1993 große Wellen geschlagen. Der Europäische Gerichtshof entschied drei Jahre später, der deutsche Staat müsse für die Schäden haften, die den Urlaubern durch die verspätete Umsetzung der EU-Pauschalreisen-Richtlinien entstanden waren.

Nach Überzeugung der Luxemburger Richter hatte der deutsche Staat seinen Bürgern einen "konkreten Schaden zugefügt", weil er die EU-Regelung erst zum 1. November 1994 statt zum 1. Januar 1993 in nationales Recht umgesetzt habe. Damit sei das Konkursrisiko 1993 noch voll bei den Reisenden verblieben. Etwa 10.000 MP-Travel-Line-Kunden hatten ihren bereits bezahlten oder angezahlten Urlaub nicht mehr antreten können.