Familienzwist Springer gegen Springer

Die Enkel von Axel Springer, Ariane und Axel Sven, fühlen sich offenbar von dessen Witwe Friede Springer unzulänglich über die Situation des Konzerns informiert. Pünktlich zu deren Geburtstag zitieren sich die Erben des Verlegers gegenseitig vor Gericht.

Berlin - Wie eine Sprecherin des Berliner Landgerichts am Mittwoch auf Anfrage sagte, haben sowohl die Enkel Ariane und Axel Sven Springer wie auch die Großaktionärin Friede Springer jeweils eine Klage gegen die andere Partei eingereicht.

Sie bestätigte damit teilweise einen Bericht der "Wirtschaftswoche", nannte aber keine Einzelheiten zum Inhalt der Klagen. Antonia Kolling, Sekretärin von Friede Springer in Berlin, sagte gegenüber manager-magazin.de, dass es sich nicht um eine Klage, sondern nur um ein Auskunftsbegehren der Springer-Enkel gegen die Axel-Springer-GmbH handele.

Dem Bericht zufolge haben die Enkel die Verleger-Witwe auf Auskunfts- und Einsichtsrechte in ihre geschäftlichen Aktivitäten verklagt. Laut "Wirtschaftswoche" fühlen sich die Enkel von Friede Springer nicht ausreichend über ihre Geschäftspolitik informiert. Sie wollen angeblich wissen, ob Friede Springer, die wie Axel Sven im Aufsichtsrat sitzt, dem Vorstandvorsitzenden Mathias Döpfner Handlungsanweisungen erteilt hat. Das wäre ein Verstoß gegen das Aktienrecht.

Gemeinsames Leid, doppeltes Leid

In einem zweiten Fall habe Friede Springer Klage gegen die beiden Springer-Enkel eingereicht. Es handele sich dabei um eine "private" Angelegenheit, sagte die Gerichtssprecherin. Über die Axel Springer Gesellschaft für Publizistik halten Friede, Axel Sven und Ariane Springer gemeinsam 50 Prozent der Anteile am Verlag plus zehn Aktien.

Der Kampf um die Macht im Haus kommt Friede Springer denkbar ungelegen. Eigentlich meidet sie das Rampenlicht, wo sie nur kann. Aber als Mehrheitsaktionärin des Axel Springer Verlages ist die zierliche Frau eine Schlüsselfigur im Gerangel um die Zukunft der Kirch-Gruppe. Heute wird Friede Springer 60 Jahre alt, der Geburtstag wird privat gefeiert, heißt es knapp aus dem Verlag.

Grund für ausgiebige Feiern gibt es für Friede Springer auch jenseits der familiären Auseinandersetzungen nicht. Mit der drohenden Insolvenz des Kirch-Imperiums und dem ersten Verlust in der Geschichte des Springer-Verlages spitzte sich die Situation im Konzern Anfang 2002 zu. Zehn Prozent der 14.000 Arbeitsplätze mussten gestrichen werden, es kam zum offenen Kampf mit Leo Kirch. Der geriet durch die Ausübung der Verkaufsoption von Springers Anteil bei der ProSiebenSat.1 Media AG weiter unter Druck und rächte sich, indem er Friede Springer auf der HV die Entlastung verweigerte.

Inzwischen scheint Leo Kirch entmachtet, und die Matriarchin bemüht sich nach Kräften, im Hause Springer aufzuräumen. Sollte es ihr gelingen, die 40-Prozent-Beteiligung der Kirch-Gruppe am Axel-Springer-Konzern von der Deutschen Bank zurückzukaufen, wäre sie endlich wieder unumstrittene Herrscherin im Imperium des Axel Springer.

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