Walt Disney Eisner eiskalt

Disney-Chef Michael Eisner nutzt die verschärften Gesetze gegen Bilanzfälschung in den USA auf seine Weise. Ungeliebte Aufsichtsräte sollen den Konzern verlassen.

New York – Michael Eisner lässt sich seinen Optimismus nicht nehmen. Wenn erst einmal die Konjunktur dreht, dann – so prophezeite der Disney-Chef jüngst gegenüber dem "Wall Street Journal" ("WSJ") – würden die Umsätze und Gewinne wieder sprudeln.

Angesichts der Fakten ist das eine mutige Prognose. In den meisten Geschäftsfeldern geht die Begeisterung des Publikums spürbar zurück: Die Vergnügungsparks verzeichnen einen Rückgang der Buchungen um rund zehn Prozent, teure Filme wie "Bad Company" spielen ihre Kosten nicht ein, und der hauseigene Sender ABC leidet unter der Werbeflaute und chaotisch wirkender Programmplanung.

Im letzten Quartal musste Disney deshalb einen Gewinnrückgang um sieben Prozent melden. Die Anleger haben dem Konzern längst die Quittung für die enttäuschenden Zahlen ausgestellt. Die Disney-Aktie notiert derzeit unter 15 Dollar – der tiefste Stand seit acht Jahren.

Förderer werden nervös

Sogar im Aufsichtsrat werden die einstigen Förderer von Michael Eisner langsam nervös. Nach langem Schweigen habe Großaktionär und Gründer-Neffe Roy Disney bessere Ergebnisse gefordert, berichtete das "WSJ" unter Berufung auf informierte Kreise. Auch dessen Geschäftspartner Stanley Gold, der sich 1984 für eine Berufung Eisners zum Disney-Chef stark machte, stelle nun äußerst unbequeme Fragen.

Doch der Disney-Chef, der seit achtzehn Jahren die Geschicke des Konzerns lenkt, lässt sich seinen Job nicht so leicht nehmen. Lieber schickt er alte Weggefährten vor die Tür. Der aufmüpfige Aufsichtsrat Gold könnte laut "WSJ" bald seinen Platz verlieren.

Vorauseilender Gehorsam

Grund dafür seien die schärferen Regeln der New Yorker Börse (NYSE), die die Besetzung des Gremiums mit unabhängigen Persönlichkeiten verlangt. Gold und zwei andere Disney-Aufsichtsräte haben Söhne und Töchter, die im Konzern beschäftigt sind.

Wie ein NYSE-Sprecher sagte, sei noch nicht beschlossen, dass die Verwandtschaft mit erwachsenen Mitarbeitern des Unternehmens als Ausschlusskriterium für den Aufsichtsrat gilt. Nach Angaben von Disney rechnet das Unternehmen jedoch mit dieser Entscheidung und will schon vorher die dafür nötigen Veränderungen in seinen Gremien vornehmen.