AOL Time Warner Miller übernimmt

Lange hat der Medienkonzern sich mit klaren Aussagen über die neue Spitze bei der Internetsparte AOL zurückgehalten. Jetzt steht endgültig fest: Jonathan Miller tritt die Nachfolge von Robert Pittman an.

New York - Der US-Medienkonzern AOL Time Warner  hat sich erwartungsgemäß für Jonathan Miller als neuen Chef des weltgrößten Internetdienstes America Online (AOL) entschieden. Wie der Medienkonzern am Dienstag in New York bekannt gab, ersetzt er den scheidenden Robert Pittman. Bisher war der 45-jährige Miller Chef des IT-Dienstleisters USA Interactive.

AOL-Time-Warner-CEO Richard Parsons sagte, Miller sei der richtige Mann, um AOL in neue Wachstumsbereiche zu führen. Damit sind sämtliche Spekulationen um eine Berufung von Thomas Middelhoff an die AOL-Spitze Makulatur. Lange hieß es, der jüngst geschasste Bertelsmann-Chef könnte Pittmanns Nachfolger werden.

Miller tritt ein schweres Erbe an. Seit Monaten steht gerade die Internetsparte des Medienkonzerns wegen angeblich unsauberer Bilanzierungspraxis unter Druck. Zuletzt bestätigte AOL Time Warner Untersuchungen seitens der Staatsanwaltschaft und der Börsenaufsicht SEC.

Abgang der Dotcom-Heroen

Miller hat bis dato noch keinen Konzern von der Größe des Internetdienstes AOL geführt. Bei USA Interactive, dem Firmenkonglomerat des US-Medienmoguls Barry Diller, war er im TV- und seit 1999 im Internetbereich aktiv. Nachdem Diller seine Medienbeteiligungen kürzlich an Vivendi Universal verkauft hatte, gab es für den studierten Naturwissenschaftler Miller bei USA Interactive nichts mehr zu tun. Seine Stelle fiel ersatzlos weg.

Jetzt soll der als ruhig und freundlich geltende Manager AOL aus der Problemzone führen. Mit seiner Besetzung bleibt die AOL-Time-Warner-Spitze um Richard Parsons ihrem Kurs treu, die junge Garde der New-Economy-Manager durch zurückhaltendere Führungskräfte zu ersetzen. Neben dem Miller-Vorgänger Pittmann musste zuletzt auch AOL-Vice-President David Colburn seinen Stuhl räumen.

Durch den Rauswurf der ehemaligen Dotcom-Heroen will Konzernchef Parsons endlich die lang erwarteten Synergieeffekte zwischen dem Internetdienst AOL und dem Medienkonzern Time Warner nutzen. Bisher scheiterte die Umsetzung der Kooperation an der Verweigerungshaltung bei der Onlinesparte.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.