Montag, 19. August 2019

Anwälte Binz gegen den Rest der Welt

2. Teil: Oscar für Anwaltsmarketing

Keine Anhaltspunkte für eine Straftat

Nicht weniger prominent ist die Liste der Angeklagten im Falle der Mannesmann-Übernahme durch Vodafone. Dabei sah es zeitweise so aus, als ob in diesem Fall kein Bedarf an einer gerichtlichen Untersuchung herrschen würde. Schon kurz nach der Übernahme im Februar 2000 reichten Binz und Sorg Anzeige bei der Staatsanwaltschaft ein. Die Justiz konnte jedoch keine Anhaltspunkte für eine Straftat entdecken. Antrag abgelehnt.

 Der Fall Mannesmann: Überhöhte Abfindungen für Klaus Esser?
REUTERS
Der Fall Mannesmann: Überhöhte Abfindungen für Klaus Esser?
Die Verweigerungshaltung der Gerichtsbarkeit schien die beiden Rechtsexperten jedoch erst anzuspornen. Sie legten erfolgreich Beschwerden ein. Seit März 2001 ermittelt die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft wieder.

Gut besetzte Anklagebänke

Die Anklagebank ist auch hier prominent besetzt. Im Visier der Fahnder sind unter anderem Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser, Vodafone-CEO Chris Gent, der IG-Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel und der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann. Alle sollen von den übertriebenen finanziellen Zusagen gewusst haben, mit denen die Widerstände gegen die Übernahme offenbar beseitigt wurden.

Es scheint fast so, als ob die zwei Schwaben mit Vorliebe dort auftauchen, wo Anteilseigner besonders unter der Inkompetenz leiden müssen. Zumindest in der eigenen Zunft wird ihnen der Nimbus als Kämpfer für die Kleinaktionäre jedoch nicht immer abgenommen.

Kritische Töne aus der eigenen Zunft

Schon kurz nachdem Binz und Sorg das Verfahren im Fall Mannesmann/Vodafone initiiert hatten, nominierte das "Anwaltsmagazin" hämisch beide für den Oscar des Anwaltsmarketings. Demnach würden sie die Klage weniger aus "staatsbürgerlicher Pflicht" als vielmehr aus Eigenwerbung einreichen.

"Wir haben durch unsere Aktivitäten bereits Mandanten verloren. Das kann wohl kaum in unserem Interesse sein", kontert Binz den Vorwurf. Zudem hätte seine Kanzlei zahlreiche Interviewanfragen zum Thema Telekom in den vergangenen Wochen abgelehnt, um möglichen Marketinggerüchten den Boden zu entziehen.

Aufrechter Streiter für die Aktionäre oder raffinierte PR-Strategen? Auch wenn Mark Binz und seine Partner sich selbst im ersten Bereich verorten, die Advokatenbranche spricht von gelungener Öffentlichkeitsarbeit. An den Stuttgarter Anwälten werden sich die Geister wohl auch in Zukunft scheiden.


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