Martin Ebner Robin Hood ohne Visionen

Der Schweizer "Mister Shareholder Value" stürzt ab. Vier Beteiligungsgesellschaften musste Martin Ebner schon zum Großteil verkaufen. Jetzt braucht der einst gefeierte Börsenzauberer Bankkredite, um sein angeschlagenes Finanzimperium zu retten.

Hamburg – Schlecht geht es der Schweiz. Die Alpenrepublik - ehemals Europas Vorzeigestaat in Sachen Sauberkeit, Sicherheit und Seriosität – wankt unter diversen Skandalen. Da passt es gut ins Bild, dass nach der Borer-Fielding-Affäre und der Swissair-Pleite nun mit Martin Ebner einer der prominentesten Finanzjongleure des Landes die Balance verliert.

Dass Ebners Beteiligungsgesellschaft BZ-Gruppe mit den schwierigen Marktbedingungen hadert, war schon länger bekannt. Dennoch dementierte das Unternehmen noch am 30. Juli tapfer alle Gerüchte über finanzielle Probleme – nur um einen Tag später den faktischen Ausstieg des Gründers aus seinem eigenen Unternehmen bekannt zu geben.

Am 31. Juli verkaufte der Selfmademan die Namensaktien der vier Investmentgesellschaften BK Vision, Spezialitäten Vision, Pharma Vision und Stillhalter Vision mit einem Portfolio von insgesamt drei Milliarden Franken an die Zürcher Kantonalbank (ZKB). Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Die BZ-Gruppe wird zusammengestutzt

Die ZKB erhält durch den Kauf die Stimmenmehrheit und Kapitalbeteiligungen zwischen 17 und 20 Prozent an den vier Visionen, über die große Anteile an Unternehmen wie ABB, Intershop und Pirelli gehalten werden. Gleichzeitig übernimmt das Kreditinstitut auch Management und Kundengeschäft der Beteiligungen. Damit gewinnt die ZKB etwa 50.000 Investoren und Kleinanleger und kommt jetzt auf ein Kundenvermögen von 73 Milliarden Franken.

Von der einst so stolzen BZ-Gruppe bleibt kaum mehr als ein Schatten. Lediglich die Direktbeteiligungen und einige weitere Finanzdienstleistungen verbleiben im Unternehmen.

Wie dramatisch die Lage von Ebners wankendem Imperium tatsächlich ist, offenbarte sich wenig später. Am Montag dieser Woche bekam der strauchelnde Finanzier Presseberichten zufolge von acht Banken eine Notfallkreditlinie eingeräumt. Demnach gewährten ihm unter anderem die Credit Suisse Group, die Westdeutsche Landesbank, die Landesbank Baden-Württemberg und die britische HSBC Holdings kurzfristig drei Milliarden Schweizer Franken.

Prompt rauschten die Kurse von Ebners Unternehmensbeteiligungen aus Angst vor möglichen Ausverkäufen in die Tiefe. ABB verlor am Montag bis zu 14 Prozent. Auch Lonza, Credit Suisse, Hero und Rieter gerieten unter Druck. Schließlich schaltete sich auch noch die Eidgenössische Bankenkommission (EBK) ein. Die Behörde verlangt von der auf das Wertpapiergeschäft spezialisierten Tochter der BZ-Gruppe täglich Auskunft über ihre finanzielle Situation.

Die Methoden des Raiders

Fünf Milliarden Franken Verlust

Es wird immer deutlicher, wie sehr sich Ebner verspekuliert hat. "Er hat nur noch die falschen Aktien gekauft", sagte Dieter Winet, Fondsmanager bei Swissca Portfolio Management gegenüber dem Onlinedienst "Faz.net".

Andere Quellen gehen davon aus, dass der ehemalige Vontobel-Analyst allein mit seinem Anteil an der Schweizer Großbank Credit Suisse einen Verlust von rund vier Milliarden Franken eingefahren habe. Sein Investment in den angeschlagenen schwedisch-schweizerischen Elektronikkonzern ABB habe Ebner ein weiteres Minus von etwa einer Milliarde Franken beschert.

Die Methoden des Raiders

Der Niedergang des Börsenzauberers ist beispiellos. Ebner schuf ein Anlegerimperium, dass in Hochzeiten etwa 15 Milliarden Euro wert war. Die Aktionäre feierten ihn wie einen Popstar.

Im Visier hatte der Milliardär – auf der Forbes-Liste der Reichsten belegt er Rang 208 – stets gut geführte Unternehmen mit etablierten Produkten, deren Management es aber noch nicht geschafft hatte, die positive Ausgangslage in steigende Aktienkurse umzumünzen. Heimlich erwarb Ebner dann große Anteilspakete und setzte anschließend die Konzernspitze unter Druck. Vehement forderte er eine ordentliche Rendite und avancierte damit zum "Mister Shareholder Value", zum Robin Hood der Kleinaktionäre.

Pionier der Aktionärsdemokratie?

An dem stets die Öffentlichkeit scheuenden Ebner schieden sich entsprechend die Geister. Die einen hielten ihn für den Pionier der Aktionärsdemokratie. Andere bezeichneten ihn als "Raider" und verweigerten die Zusammenarbeit aus Furcht, dass ihr Ruf beschädigt werden könnte.

Tatsächlich litt am Ende wohl weniger der Ruf von Ebners Geschäftspartnern als vielmehr der Wert ihrer Investition. Die Schweizer müssen sich jetzt wohl von ihrem Helden verabschieden. Robin Hood sind die Pfeile ausgegangen. Was bleibt, ist der Absturz einer weiteren alpenländischen Ikone.