Chris Gent "Wir müssen leiden"

Geldsegen für den Vodafone-Chef. Auf der Hauptversammlung bewilligten die Aktionäre trotz sinkender Kurse Gents üppiges Gehaltspaket.

London – Vodafone-Chef Christopher Gent ist bei der Konzernhauptversammlung mit einem blauen Auge davon gekommen. Die Aktionäre des weltgrößten Mobilfunkanbieters bewilligten sein umstrittenes Bezahlungspaket.

Mit 84 Prozent der Stimmen nickten die Anteilseigner ein Grundgehalt von 1,2 Millionen Pfund (1,9 Millionen Euro) und dazu Obligationen und Aktien im Wert von bis zu 3,9 Millionen Pfund ab. Gent ist damit der bestbezahlte aller britischen Manager. Angesichts des drastischen Kursverfalls der Vodafone-Aktie wurde die Vergütung im Vorfeld hart kritisiert. Mehrere Großaktionäre wollten ursprünglich ein Veto gegen das millionenschwere Bonuspaket einlegen.

Ein Anteilseigner hielt Gent bei der Hauptversammlung vor, sein Einkommen sei in "astronomische" Höhen gestiegen: "Sie haben nichts zu befürchten, aber wir müssen leiden." Der Aufsichtsratsvorsitzende Lord MacLaurin nahm Gent jedoch in Schutz und wies darauf hin, dass der Vorstandschef den Aktien-Anteil nur dann bekomme, wenn er die "ehrgeizigen Ziele" des Unternehmens erreiche.

Der Kurs von Vodafone  werde wieder steigen, versicherte er. Gent wurde auch gefragt, ob er einen Teil seiner Vodafone-Aktien verkauft habe. Dies verneinte er. Er sei ein "langfristiger Anleger", sagte Gent.

Überraschende Umsatzrechnung

Gleichzeitig musste Gent zugeben, dass Vodafone bei der Berechnung des Umsatzes ein Verfahren anwendet, mit dem die eigenen Einnahmen im Vergleich zur Konkurrenz größer erscheinen. Die "Financial Times" (FT) hatte zuvor berichtet, dass Vodafone die gesamten Einnahmen aus dem mobilen Internetgeschäft als Umsatz verbuche, auch wenn diese an Dritte - die Anbieter bestimmter Inhalte - weitergereicht würden.

Die Konkurrenten MMO2 und Orange berücksichtigen diese Zahlungen bei der Umsatzrechnung hingegen nicht. Dem Bericht zufolge entspricht die Praxis von Vodafone voll den britischen Gesetzen, doch hätten sich einige Analysten "überrascht" gezeigt. Die Vodafone-Berechnung trage dazu bei, dass der durchschnittliche Umsatz pro Nutzer, eine wesentliche Kennzahl der Branche, höher erscheine.

Das Verfahren sei tatsächlich derzeit auch von geringer Bedeutung, weil nur ein kleiner Prozentsatz des Umsatzes auf mobiles Internet entfalle - nach Vodafone-Angaben ein Prozent. In Zukunft sei allerdings eine eindeutige Definition der Berechnung wichtig, weil der Internetbereich in der Mobiltelefonie potenziell an Bedeutung gewinne.

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