Moritz Hunzinger Spenden nach dem Gießkannenprinzip

Rühe, Bohl, Waigel, Westerwelle - die Begünstigtenliste des Moritz Hunzinger liest sich wie das Who is Who deutscher Parlamentarier. Neben Spenden an fast alle Bundesparteien soll es auch direkte Zahlungen an die Wahlkreise zahlreicher Unions- und FDP-Politiker gegeben haben.

Berlin - Die Hamburger Illustrierte "Max" berichtet in ihrer Online-Ausgabe von einer Liste der Hunzinger GmbH. Dem Papier zufolge ließ der umstrittene PR-Berater Moritz Hunzinger einer illustren Reihe von Politikern Geld für deren Wahlkreis zukommen.

Genannt werden der hessische Ministerpräsident Roland Koch, die Ex-Verteidigungsminister Rupert Scholz und Volker Rühe und Ex-Kanzleramtsminister Friedrich Bohl, die jeweils 10.000 Mark (5113 Euro) erhalten haben sollen, und der frühere Finanzminister Theo Waigel, der gar 30.000 Mark (15.339 Euro) bekommen haben soll.

Auch die FDP ging demnach nicht leer aus: 70.000 Mark (35.790 Euro) allein im Jahr 1998 für den Wahlkreis des damaligen Außenministers Klaus Kinkel und 25.000 Mark (12.782 Euro) für den damaligen FDP-Generalsekretär Guido Westerwelle - gestückelt in zwei Tranchen, sodass das Geld nicht im Rechenschaftsbericht auftauchen musste.

Wer bekam wieviel?

Unklar ist die Summe, die Hunzinger insgesamt an die Parteien spendete. Dem "Max"-Bericht zufolge flossen offiziell allein im Wahljahr 1998 zusammen 211.000 Mark (107.883 Euro)in die Kassen der großen Parteien. Eine Spendenübersicht der Hunzinger GmbH belege allerdings, dass in dem Jahr allein an die FDP 165.000 Mark (84.363 Euro) geflossen seien - der Rechenschaftsbericht der Liberalen weise jedoch nur 105.000 Mark (53.686 Euro) aus.

Ähnliches bei der CDU: Laut Hunzingers Unterlagen erhielt die Partei 99.500 Mark (58.874 Euro), im Rechenschaftsbericht der Christdemokraten stünden aber lediglich 76.000 Mark (38.585 Euro).

Zudem nennt der Bericht einen weiteren Politiker, der direkt mindestens einmal 10.000 Mark (5113 Euro) von Hunzinger erhalten haben soll: Hermann-Josef Arentz, Bundesvorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft. Laut "Max" ist unklar, was mit dem Geld passierte. Das Blatt zitiert Moritz Hunzinger im Namen von Arentz: "Man gibt es aus."

Über Verflechtungen mit Moritz Hunzinger ist in der vergangenen Woche Rudolf Scharping gestolpert: Er war seines Amtes als Verteidigungsminister enthoben worden, nachdem umstrittene Honorarzahlungen von Hunzinger an den SPD-Politiker bekannt geworden waren. Grünen-Mann Cem Özdemir hatte am Wochenende zugegeben, von Hunzinger 1999 einen Kredit von 80.000 Mark (40.903 Euro) zu einem Zinssatz von 5,5 Prozent erhalten zu haben. Dieser Zinssatz lag deutlich unter dem damals am Markt üblichen. Özdemir hat inzwischen erklärt, sollte er aus dem Geschäft einen finanziellen Vorteil erzielt haben, werde er den Differenzbetrag für einen wohltätigen Zweck spenden.

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