Opel-Erben Luziferus und Carina

Die Nachfahren des Opel-Gründers haben offenbar erheblichen Ärger mit der deutschen Steuerfahndung. Es geht um 224 Millionen Schweizer Franken und zwei Stiftungen in Liechtenstein.

Hamburg - Beamte des Hauptzollamtes im baden-württembergischen Singen konfiszierten dem Nachrichten-magazin SPIEGEL zufolge am 30. Juni bei Gregor von Opel Unterlagen, die vermuten ließen, dass ein Millionen-Vermögen am deutschen Fiskus vorbei illegal ins Schwarzgeld-Paradies Liechtenstein geflossen sei. Es soll dabei um einen Betrag von 224 Millionen Schweizer Franken (rund 153 Millionen Euro) gehen.

Wie der SPIEGEL weiter berichtet, entdeckten die Beamten bei einer Kontrolle am deutsch-schweizerischen Grenzübergang Neuhaus im Wagen von Opels ein Gedächtnisprotokoll über eine Zusammenkunft bei einem Basler Anwalt, das auf den 17. Juni datiert ist. Gegenstand des Gesprächs soll eine Liechtensteiner Stiftung mit Namen Carina sein, deren Vermögen laut Notiz 224 Millionen Schweizer Franken betrage. Zudem hätten sich Hinweise auf eine weitere Millionen-Stiftung mit dem Namen Luziferus gefunden, ebenfalls in Liechtenstein angesiedelt.

Aus Angst vor Fehlern macht man Fehler

In den Papieren habe es geheißen, dass in der Sache nichts nach Deutschland dringen und kein Papier entstehen dürfe. Niemand in dem Kreis habe Interesse daran, "dass solche Dokumente deutschen Steuerbehörden zur Kenntnis gelangen", heißt es weiter. Das Geld der Carina-Stiftung soll Teil eines Erbes sein, das Sophie Binding hinterließ, die einst mit Hans von Opel, einem direkten Nachfahr Adam Opels, verheiratet war.

Gregor von Opel und sein Bruder Georg seien seit dem Tod Bindings 1989 neben zwei Binding-Nachfahren die Begünstigten der Stiftungsgelder, die diskret von einem Treuhänder in Liechtenstein verwaltet würden. Für ein Erbe dieser Größenordnung müssten mindestens 30 Prozent Erbschaftssteuer gezahlt werden, doch bei deutschen Finanzämtern sei das Geld nicht eingegangen.

Verbirgt sich hinter der Carina das Binding Erbe?

Georg von Opel erklärte dem Magazin zufolge, dass "alles regulär abgelaufen ist", er sich aber nicht an Einzelheiten erinnern könne.

Sein Bruder Gregor habe jede Stellungnahme abgelehnt. Der Chef des Hauptzollamtes, Werner Eberhardt, erklärte, Gregor von Opel habe wahrscheinlich das Papier "womöglich zur Absicherung" von seiner Rechtsanwältin verfassen lassen. Die beiden Brüder seien sich geschäftlich immer mit sehr großer Vorsicht begegnet und hätten sich auch "finanziell nie was gegönnt", zitiert das Magazin einen ehemaligen Geschäftspartner.

Familie Opel streitet Steuerhinterziehung ab

Die Industriellenfamilie von Opel hat Medienberichte über eine geplante Hinterziehung von mindestens 50 Millionen Euro Erbschaftssteuer dementiert. Die Berichte seien "völlig unzutreffend", erklärte eine Sprecherin Gregor von Opels am Montag in Frankfurt. Der 34-Jährige Auto-Erbe betreibt zahlreiche Autohäuser in der Rhein-Main-Region. Das Automobilwerk hat die Familie bereits vor dem Zweiten Weltkrieg an den US-Konzern General Motors verkauft.

Die Zollverwaltung wollte sich am Montag nicht mehr zu dem Vorgang äußern, der an die Frankfurter Staatsanwaltschaft abgegeben worden sei. In der Main-Metropole in der Nähe des Opel-Stammwerks Rüsselsheim sei noch nichts angekommen, versicherte hingegen Oberstaatsanwalt Job Tilmann.