Capital Fliegender Wechsel

Neue Besen kehren gut. Kai Stepp, Co-Chefredakteur von "Focus Money", geht zu "Capital".
Von Clemens von Frentz

München - Die Zeit der kommissarischen Führung beim Wirtschaftsmagazin "Capital" neigt sich ihrem Ende entgegen. Ab dem 1. September wird Kai Stepp, derzeit Co-Chefredakteur von "Focus Money", die Leitung des Blattes aus dem Hause Gruner+Jahr übernehmen.

Vorausgegangen war ein monatelanges Tauziehen zwischen den Verlagen Burda und Gruner+Jahr. Nach der Trennung von Ralf-Dieter Brunowsky im Ende August 2001 war "Capital" zunächst von Herausgeber Werner Funk geleitet worden.

Brunowsky, der seit Mai 1991 den Chefredakteurs-Posten innehatte, war laut Verlags-Angaben "im gegenseitigen Einvernehmen" aus dem Amt geschieden, nachdem es Diskussionen um die weitere Ausrichtung des Blattes gegeben hatte. Später machte sich Brunowsky als Publizist und Kommunikationsberater selbstständig und gründete in Köln die Firma "Bruno Media".

Die Amtseinführung seines Nachfolgers Kai Stepp hatte sich zunächst verzögert, weil "Focus Money"-Herausgeber Helmut Markwort sein Veto eingelegt hatte. Später kam es zu einem Streit zwischen Burda und Gruner+Jahr, der sich an einem Zertifikat der Dresdner Bank entzündete.

Das Derivat mit dem Namen "Capital Best Choice World" (WKN 830991) war eine Kooperation zwischen "Capital" und Dresdner Bank. Aufgelegt wurde es vom Bankhaus Reuschel & Co., einer Beteiligung des Frankfurter Finanzkonzerns. Das Zertifikat (Ausgabekurs 100 Euro) war am 24. Januar 2002 vom Verlag angekündigt worden und enthielt zehn Aktien, unter denen sich auch der mittlerweile schwer angeschlagene Telefonkonzern Worldcom  befand. Derzeit notiert das Papier bei 64,93 Euro und damit fast 40 Prozent unter Ausgabekurs.

Wenig später ging beim Deutschen Presserat eine Beschwerde gegen ein, zeitgleich erhielt das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen eine Anzeige. Absender war der Anleger-Anwalt Andreas Tilp aus Kirchentellinsfurt bei Tübingen, beanstandet wurde in beiden Fällen die enge Kooperation zwischen Dresdner Bank und "Capital".

Da es zwischenzeitlich den Verdacht gegeben hatte, die Beschwerde und die Anzeige seien aus der Redaktion von "Focus Money" initiert worden, kam es zu einer ernsthaften Verstimmung mit Gruner+Jahr. Diese scheint allerdings beigelegt zu sein.