Global Crossing Der "Kaiser der Gier" saniert sein Schloss

Gary "Scary" Winnick, Präsident von Global Crossing, hat die viertgrößte Pleite der US-Geschichte zu verantworten und viele Milliarden Dollar Aktienkapital vernichtet. Das hindert ihn nicht daran, die teuerste Villa in ganz Los Angeles aufwendig zu veredeln.

Los Angeles - Margaret Clark ist so rasend wütend, dass es ihr fast die Sprache verschlägt. "Der Mann hat Kein Gewissen, keine Skrupel, kein gar nichts!", tobt sie. Mit Hunderten anderen Ex-Angestellten des Glasfaser-Betreibers Global Crossing schimpft Clark in einem Internet-Forum über ihren bisherigen Chef: Gary Winnick, 54 Jahre alt, mehrere Milliarden schwer - und vom Magazin "Fortune" jüngst zum "Kaiser der Gier" gekrönt.

Winnicks Unternehmen, Global Crossing, ist im Januar mit einem Knall in Konkurs gegangen. Es war die größte Pleite in der Geschichte der Telekommunikationsindustrie, die einstige Marktkapitalisierung von 54 Milliarden Dollar ist ins Pleite-Nirvana verpufft. Anlass genug für den Präsidenten und Gründer, ein wenig Reue zu zeigen. Doch während seine Ex-Angestellten neue Jobs suchen, bringt Winnick mit einem Prestigeprojekt alle gegen sich auf: Er putzt seine 65 Jahre alte Villa in Los Angeles prächtig heraus. "Kann ich da als Gehilfe anheuern?", frotzelt ein anderer Ex-Angestellter. "Ich brauche einen Job, und Gary zahlt offenbar gut."

Eine Villa für 92 Millionen Dollar

Eine sarkastische Untertreibung. Bis zu hundert Arbeiter, rechnet die "Los Angeles Times" nach, streichen Winnicks Villen-Wände neu, tauschen die edlen Türknäufe aus oder pflanzen auf dem 20.000 Quadratmeter großen Grundstück neue Pinien- und Eukalyptusbäume. Bis zu 30 Millionen Dollar werde Winnick wohl für Personal und Materialien ausgeben müssen, schätzt das Blatt, die "New York Times" schrieb in einem früheren Bericht von mindestens 15 Millionen.

Leisten kann Winnick sich das: Während viele Kleinanleger ruiniert dastehen, teilweise ihre eigenen Häuser abstoßen mussten, hat er allein mit dem Verkauf von Global-Aktien in Boom-Zeiten über 700 Millionen Dollar kassiert. Geld, das er zum Teil in den Kauf des Anwesens mit dem klingenden Namen "Casa Encantada" gesteckt hat. 92 Millionen Dollar in bar und Sachwerten zahlte Winnick dem früheren Besitzer David Murdock, Chef von Dole Foods, für die Immobilie - ein Preis, der selbst in der Hochpreiszone Südkalifornien noch nie erreicht wurde.

Dass die im georgianischen Stil von James Dolena gebaute Villa als Kulisse für Filme mit Natalie Wood und Robert Redford gedient hat, dürfte ihren Wert nur gesteigert haben. Die US-Präsidenten Richard Nixon, Ronald Reagan und George Bush senior gastierten hier bei verschiedenen Partys für die politische und kulturelle Elite.

Lehrling beim "König der Ramschanleihe"

Lehrling beim "König der Ramschanleihe"

Seine Herkunft hätte Winnick eigentlich mehr Bescheidenheit lehren müssen. Der Global-Gründer wurde auf Long Island, New York, als Sohn eines kleinen Ladenbesitzers geboren, der 1960 in die Pleite abstürzte. Während des Studiums an einer Provinz-Uni schlug sich der Junior mit Jobs als Busfahrer und Verkäufer durch. Später arbeitete er Seite an Seite mit einem der größten Börsen-Egomanen der achtziger Jahre: Michael Milken. Der "König der Ramschanleihe", Zentralfigur eines gigantischen Insiderhandels-Skandals, wanderte nach einem spektakulären Prozess auf Jahre ins Gefängnis. Milkens Gehilfe Winnick kam ungeschoren davon, gründete eine eigene Kapitalgesellschaft und 1996 Global Crossing.

Von Telekommunikation hatte Winnick keine Ahnung, doch mit Verkaufstalent und Chuzpe täuschte er viele. Bei verschiedenen Investoren sammelte er insgesamt 20 Milliarden Dollar ein, die höchste je für ein Start-up mobilisierte Summe. Die meisten Kapitalgeber sahen ihr Kapital nie wieder. Mit seinem über 100.000 Kilometer messenden, globalen Glasfasernetz hat Global nie auch nur einen einzigen Dollar Gewinn gemacht, nun drohen der ohnehin kaum ausgelasteten Investitionsruine Notverkauf und völlige Zerschlagung.

Die personifizierte Raffgier des Internet-Booms

So hat Winnick mit seinem Mentor Milken doch eines gemein: Steht der eine für die Exzesse der Achtziger, personifiziert der andere die barocke Hybris und Raffgier des Internet-Booms. Mit einen gewichtigen Unterschied. Zwar titelte der "New York Observer" jüngst "Gary Winnick gehört ins Gefängnis" - doch so weit ist es bei weitem nicht. Und das, obwohl die Börsenaufsicht SEC auch bei Global gravierende Bilanzmanipulationen vermutet und ermittelt.

Winnicks "verzaubertes Haus" an der Bellagio Road gehört zu seinem Privatvermögen, daher kann es von Global-Gläubigern nicht gepfändet werden. Selbst einige CEO-Kollegen dürften mit Missgunst auf die Villa blicken: Der frühere WorldCom-Chef Bernie Ebbers musste sich von seiner Yacht trennen, Ex-Enron-Boss Ken Lay verkaufte gleich mehrere Anwesen, um dem Privatbankrott zu entgehen. Die Global-Geprellten werten als besonderen Hohn, dass Winnick in dem Anwesen nicht einmal wohnt, sondern es als Nebenresidenz nur sporadisch nutzt.

Ein Akt der Philantrophie?

Ein Akt der Philantrophie?

Wie sollte er ein Haus mit 64 Räumen auch nutzen? Funktional ist die Trophäen-Immobilie nicht und sie sollte nie sein. Gebaut wurde sie für Hilda Olsen Boldt Weber, eine neureiche Krankenschwester aus New York, die einen begüterten Patienten heiratete. 400 verschiedene Pläne ließ sie den Architekten für den Prestigebau erstellen, mit dem sie den Anschein erwecken wollte, zum alten Geldadel zu gehören.

Der aber ließ sich von dem Monstrum mit Springbrunnen, pseudo-klassischen Statuen, Gewächshäusern, Tennisplatz und Swimming Pool wenig beeindrucken. Hilda Weber verlor ihr Vermögen durch Glückspiele und verkaufte das Haus 1950 für ein Achtel des Baupreises an den Chef der Hilton-Hotelkette, der wenig Geld für die Instandhaltung ausgab.

Winnick selbst, der in den vergangen Jahren über 100 Millionen Dollar für wohltätige Zwecke gespendet haben soll, interpretiert die Renovierung laut Sprechern als weiteren Akt der Philanthropie. Schließlich werde hier eine der bedeutsamsten Immobilien in ganz L.A. für die Nachwelt gerettet.

Immerhin eine Gruppe zieht Winnick mit diesem Argument auf seine Seite: die Denkmalschützer. Wenn jemand wie Winnick ein Anwesen so sachverständig herrichte, sagte ein Architektur-Historiker der "L.A. Times" - dann sei das doch einen "Seufzer der Erleichterung" wert.