Beste Reportage Kisch-Preis für Spiegel-Redakteure

Die Spiegel-Autoren Dirk Kurbjuweit und Dietmar Hawranek sind für ihre Reportage "Die Drei-Welten-AG" mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis geehrt worden.

Hamburg - Der Preis gilt als eine der renommiertesten Auszeichnungen im deutschen Journalismus und wird jeses Jahr für die beste deutschsprachige Reportage verliehen. Die beiden Spiegel-Redakteure erhalten ein Preisgeld von 10.000 Euro. Das Magazin "Stern" verlieh den zweiten Preis (7500 Euro) am Donnerstagabend in Hamburg an Sabine Rückert ("Die Zeit"). Der dritte Preis (5000 Euro) ging an Jan Christoph Wiechmann, der im Berliner Büro des "Stern" arbeitet.

Kurbjuweit und Hawranek gewannen den ersten Preis mit ihrer Reportage "Die Drei-Welten-AG", in der sie beschreiben, wie Jürgen Schrempp versucht, aus Mercedes-Benz, Chrysler und Mitsubishi Motors den profitabelsten Autohersteller der Welt zu machen. "Hier wird an einem Paradebeispiel und auf spannend zu lesende Weise anschaulich gemacht, was Globalisierung bedeutet und wo ihre Tücken sind", sagte Jury-Sprecher Hermann Schreiber am Donnerstagabend.

Die "Zeit"-Autorin Sabine Rückert qualifizierte sich mit ihrer Reportage "Die Mörderin" für den zweiten Preis. An der Geschichte einer gedemütigten und misshandelten Frau, die ihren Mann vor einem Auftragskiller umbringen ließ, lobte die Jury "die leidenschaftliche, meinungsstarke und sprachmächtige Annäherung an ein allzu häufig verdrängtes Thema aus unserem Alltag." Hermann Schreiber nannte Rückerts Reportage "ein Lehrstück über Gewalt in der Familie".

Für sein Stück "Die Rebellen von Schloss Salem" gewann Jan Christoph Wiechmann den dritten Preis. Die Jury zeigte sich vor allem beeindruckt von der Haltung Wiechmanns, der sich bei seiner Recherche in der nationalistisch gefärbten Protestbewegung in dem Elite-Internat nicht vom Erwartungsdruck der "political correctness" beeinflussen ließ. Vielmehr habe er deutlich gemacht, dass es bei der Bewertung der Jugendbewegung "mehr als nur eine Wahrheit" gibt.

Der Kisch-Preis wurde vor 25 Jahren vom "Stern" gestiftet. Er erinnert an den "rasenden Reporter" Egon Erwin Kisch (1885-1948). Er war Berichterstatter in Prag, Wien und Berlin und erhob die Reportage zu literarischem Rang. Unter anderem hinterließ Kisch eindrucksvolle Reisereportagen. Neben dem Autor Hermann Schreiber saßen in diesem Jahr Iris Radisch ("Die Zeit"), Jutta Voigt (Autorin), Giovanni di Lorenzo (Chefredakteur Berliner "Tagesspiegel"), Peter Sartorius ("SZ"), Cordt Schnibben (DER SPIEGEL) in der Jury.

Insgesamt wurden in diesem Jahr 436 Reportagen aus Deutschland und der Schweiz eingereicht. 31 Arbeiten kamen in die Endauswahl. An der Verleihung im Gruner+Jahr-Verlagshaus nahmen nach Angaben des "Stern" mehr als 500 Gäste aus der Medienbranche teil.

Die beste Reportage: "Die Drei-Welten-AG"