Bertelsmann Der "Feuerwehrmann" geht

Lange galt Jürgen Richter bei Bertelsmann als Troubleshooter. Jetzt muss der Medienkonzern ohne ihn auskommen. Enttäuscht über den angekündigten Verkauf der Fachverlagsgruppe BertelsmannSpringer verlässt Richter das Unternehmen.

Gütersloh/Berlin - So hatte Jürgen Richter seinen Abgang wohl nicht geplant: Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Fachverlagsgruppe BertelsmannSpringer kündigte am Freitag überraschend seinen Rücktritt an.

Richter verlasse Bertelsmann auf eigenen Wunsch, teilte der Konzern in Gütersloh mit. "Diese Sache birgt keine großen Geheimnisse. Beide Seiten verhalten sich konsequent und respektabel", sagte Unternehmenssprecher Oliver Herrgesell gegenüber manager-magazin.de. Jürgen Richter, der bisher als der "Feuerwehrmann" von Thomas Middelhoff für heikle Aufgaben galt, zieht damit die Konsequenzen aus der vom Bertelsmann-Vorstandschef verkündeten Entscheidung, die 70 Verlage umfassende Gruppe zu verkaufen.

Mitte Juni hatte Middelhoff verkündet, dass BertelsmannSpringer weder den Anspruch der Gütersloher auf Marktführerschaft erfülle, noch in das Konzept eines integrierten Medienunternehmens passe. Gleichzeitig hatte er den Ausbau des Musikgeschäfts angekündigt, zu dem auch der Kauf des Musiklabels Zomba mit Stars wie Britney Spears, Back Street Boys und N'Sync gehört. Schätzungsweise drei Milliarden Dollar soll Zomba Bertelsmann kosten.

Zu erfolgreich?

Jürgen Richter gilt als einer der erfolgreichsten Manager in der deutschen Medienlandschaft. 1985 hatte er den vom Konkurs bedrohten Westermann Verlag für Dieter Schaubs Medien-Union saniert und war dort später erfolgreicher Geschäftsführer. Richters letztes Husarenstück war der Kauf der Chemnitzer "Freien Presse" 1991. Die Zeitung erwarb er für Schaub weit unter Preis. 1994 wurde Richter in den Vorstand der Axel Springer Verlags AG berufen, nur zwei Monate später wurde er dessen Vorsitzender.

Die Ära Axel-Springer-Verlag dauerte knapp vier Jahre. Wie bei der Medien-Union scheiterte Jürgen Richter nicht an seinem Können (beide Konzerne waren bei seinem Abgang höchst profitabel), sondern an Querelen im Management. Waren es bei der Medien-Union die Söhne des Hausherren, die Richter nicht mochten, stellte sich bei Axel Springer Großaktionär Leo Kirch quer.

Seit 1998 wirkte Richter bei Bertelsmann. Dort war er anfangs für die Fachverlagssparte zuständig, später rückte er zusätzlich in den Aufsichtsrat der Problemtöchter Lycos NV und Pixelpark  auf. Auch im Steering Commitee, das Bertelsmann auf Börsenreife trimmen soll, mischt Richter mit. Offenbar - anders war man es von Richter nicht gewohnt - erfolgreich.

"Er hat so viel Erfahrung ..."

Der Lohn der Arbeit: Ende letzten Jahres verlängerte Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff Richters Vertrag bis 2003 - trotz der bisher strikt befolgten hauseigenen Altersdirektive. Die besagt, dass die Gütersloher Manager nach ihrem 60. Geburtstag den Konzern verlassen müssen. Richters Zeit war also offiziell im Frühjahr 2002 abgelaufen. Auf besonderen Wunsch von Thomas Middelhoff aber sollte Richter sogar über das Jahr 2003 hinaus bei Bertelsmann bleiben. "Er hat so viel Erfahrung, dass er für viel Gremien in Betracht kommen kann", lobte Middelhofff seinen Topmanager damals.

Jetzt verlässt Richter Bertelsmann, ohne dass ihm ein weiterer Posten offeriert wurde. Nur bei Pixelpark, Lycos NV und der Universitätsdruckerei Stürz AG bleibt er Aufsichtsratsvorsitzender. Richters Nachfolgerin bei BertelsmannSpringer wird Renate Krümmer (45). Nach Stationen bei Bertelsmann und T-Mobil war sie zuletzt für den Finanzinvestor Apax in München tätig. Nun soll sie das Verlagshaus für einen neuen Besitzer vorbereiten.