Bernie Ebbers "Intelligent wie ein Zaunpfahl"

Die Bilanz-Manipulationen des Telekomkonzerns Worldcom schocken die Finanzwelt. Der einstige Börsenstar und Worldcom-Chef Ebbers steht endgültig vor dem Aus.

New York - Konzernchefs haben mitunter ausgefallene Hobbys. Treckerfahren gehört in der Regel nicht dazu. Der 60-jährige Bernie Ebbers allerdings, ehemaliger Chef des Telekomkonzerns WorldCom , soll an Wochenenden bis zu 16 Stunden mit dem Traktor herumgefahren sein. Hin und wieder vergnügte er sich auch mit dem Kastrieren vom Bullen. So einer wie Ebbers, der sein Cowboy-Image pflegte, konnte unter den Anzugträgern der Wall Street wohl nur in Ausnahmezeiten Anhänger finden - wie in den späten Neunzigern.

Zu Terminen in New York brachte er damals Charts mit, die den Aktienkurs zeigten, ein Plus von 7000 Prozent in ein paar Jahren. Dann sagte Ebbers "Noch Fragen?" Fragen hätte es gegeben, gestellt werden sie erst heute. Jahrelang kaufte Ebbers Firmen, wie andere Menschen Brötchen, doch zu einer Einheit gefügt hat er das Sammelsurium nicht.

Der Gründer der zweitgrößten amerikanischen Telefongesellschaft Worldcom musste bereits im Mai seinen Chefsessel räumen. Vermutlich wird er sich in diesen Wochen auf seiner Ranch entspannen und Trecker fahren. Doch ob er demnächst dazu noch Gelegenheit hat, ist fraglich. Denn die schweren Betrugsvorwürfe, die zum Börsencrash der vergangenen Tage führten, fallen in seine Amtszeit.

Douglas Lake Ranch und Mega-Yacht

Der US-Telekomkonzern Worldcom schockte die Anleger mit einem Bilanzskandal. Das Unternehmen hat Manipulationen im Umfang von rund vier Milliarden Dollar eingeräumt.

Damit ist wieder ein amerikanischer Traum spektakulär geplatzt. Ebbers, der "Gott der Wall Street" ("Stern"), liebte große Töne. Seine millionenteure Yacht nannte er "Aquasition", um aller Welt zu zeigen, dass er rasend schnell neue Firmen kauft.

Der heute 60-Jährige war die Inkarnation des amerikanischen Selfmade-Milliardärs. Zigarre rauchend und in Cowboy-Stiefeln gab er Kommentare ab wie: "Was mir persönlich geholfen hat, ist, dass ich nicht allzuviel davon verstehe, was in der Industrie vor sich geht" ("Süddeutsche Zeitung").

Rund 10.000 Mitarbeiter mussten gehen

Das "Time Magazin" meldete einmal: "Ebbers erweckt gern den Eindruck, er sei ungefähr so intelligent wie ein Zaunpfahl." Als Mitte 2000 jedoch die Übernahme von Sprint scheiterte, fiel der Aktienkurs, rund 10.000 Mitarbeiter mussten gehen.

Bernie Ebbers, der Worldcom vom kleinen Telefon-Discounter zu einem der größten Telekommunikationsfirmen der USA machte, trug auch entscheidend zum Gesichtsverlust des einstigen Börsenstars bei. Um sich die "Douglas Lake Ranch", die größte kanadische Privatranch, zu kaufen, genehmigte er sich einen ordentlichen Kredit bei der eigenen Firma.

Mittlerweile steht Ebbers bei Worldcom mit 366 Millionen Dollar in der Kreide. Ob er diese gewaltige Summe je zurückzahlen kann, ist ungewiss, denn er bekam "nur" ein Jahresgehalt von rund 11 Millionen Dollar.

Nach dem aktuellen Kurs sind auch seine 28 Millionen Worldcom-Aktien nur noch einen Bruchteil des Emissionspreises wert. Die Yacht ist mittlerweile ebenso weg wie ein Firmenjet. Die Ranch wird er wohl auch los, aber mit viel Glück behält der Cowboy Ebbers wenigstens seinen Trecker.