Günther Jauch Schluss mit Bechern für den Busch

Seit April wirbt der Moderator für die Krombacher Brauerei und erklärt den Verbrauchern, dass mit jedem gekauften Kasten Bier ein Quadratmeter Regenwald geschützt wird. Damit ist nun vorerst Schluss. Mit einer Einstweiligen Verfügung wurde die Werbung untersagt.

Siegen - Schwere Schlappe für die Brauerei Krombacher: Sie darf vorerst nicht mehr damit werben, dass mit jedem gekauften Kasten ihres Bieres ein Quadratmeter Regenwald geschützt wird. Dies entschied am Dienstag die 2. Kammer für Handelssachen des Landgerichts Siegen durch Erlass einer Einstweiligen Verfügung gegen den Kreuztaler Bierproduzenten (AZ.: 7 O 75/02 und 7 O 80/02).

Das Gericht folgte mit seiner Entscheidung den Anträgen von zwei Wettbewerbsvereinen aus München und Köln, die auch die Interessen von Brauereien wahrnehmen. Gegen das Urteil, das mit seiner Zustellung wirksam wird, ist Berufung beim Oberlandesgericht Hamm zulässig.

Eine an "Gefühle appellierende Werbung" sei, so der Vorsitzende Richter Alois Michalek, nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zwar zulässig, aber nicht "schrankenlos".

Die von Günter Jauch moderierten Werbespots schränkten die "Entscheidungsfreiheit" des Verbrauchers unzulässig ein, weil sie ihn vor die Entscheidung stellten, entweder "Krombacher zu kaufen oder den Schutz des Regenwalds zu verweigern".

Dies aber käme einem unerlaubten "moralischen Kaufzwang" gleich. Gleiches gelte für die den Bierkästen beigelegten Beipackzettel.

Schließlich trage die "fehlenden Transparenz" der "Regenwald-Werbung" zur Irreführung des Verbrauchers bei, betonte Michalekt in der mündlichen Urteilsbegründung. So bliebe dem Verbraucher verborgen, "ob und in welcher Weise die Brauerei einen Beitrag zum Umweltschutz leistet".

Transparenz, so der Richter, müsse "direkt aus der Werbung hervorgehen". Im vorliegenden Fall sei die "starke Anreizwirkung der Werbung aber in ihrem Gesamteindruck irreführend."

Widersprüche beim Bierbrauer

Franz Weihrauch, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Siegerländer, hatte sich vor der Entscheidung der Siegener Richter noch zuversichtlich gezeigt. Seine Argumentation: Zum einen existiere die Verknüpfung mit dem Absatz des Produktes nicht, denn bei allen Werbemitteln werde auf das Spendenkonto hingewiesen. Damit werde auch kein psychologischen Kaufzwang auf die Verbraucher ausgeübt.

Zum anderen sei die Transparenz des Projekts durch den seriösen Partner WWF garantiert, so das das Geld auch wirklich in Dzanga Sangha ankomme. Außerdem äußerte der Anwalt Zweifel an der wirtschaftlichen Effizienz der Aktion. Weihrauch: "Uns kostet uns die Aktion mehr als sie uns bringt."

Krombachers Marketingchef Hans-Jürgen Grabias sieht das offenbar anders. Der "Financial Times Deutschland" vertraute er Mitt Juni an, man sei mit dem Erfolg der Aktion sehr zufrieden und gehe davon aus, den eigenen Marktanteil im Gesamtjahr um 0,4 Prozentpunkte auf acht Prozent zu steigern.

Damit seien die eigenen Erwartungen "deutlich übertroffen" worden. Auch das Image der als "natürlich" positionierten Marke habe sich verbessert. Krombacher werde bis zum Ende des Projektes den ursprünglichen Planabsatz von zehn Millionen Kisten im Aktionszeitraum wohl um zwei bis drei Millionen überschreiten.

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