Einwanderung Vom Tellerwäscher zum Unternehmer

Seit 22 Jahren lebt Mostafa Sarreshtehdari in Deutschland und kämpft gegen störische Beamte für seine Einbürgerung. Obwohl er eine florierende Hotelservice-Management Firma aufgebaut hat, mauern die Behörden.

Mostafa Sarreshtehdari, symbolisiert den amerikanischen Traum in Deutschland. Er hat es geschafft vom Tellerwäscher zum Geschäftsführer einer 70-köpfigen Hotelservice-Management GmbH aufzusteigen.

Aber sein Aufstieg ist durchwachsen, denn trotz seiner Erfolge kämpft er unerbittelrich um seine Einbürgerung. Doch gemeinsam mit seinem deutschen Geschäftspartner Schardt ist es ihm gelungen, die Probleme zu lösen.

Der Pfälzer Schardt und der Iraner Sarreshtehdari lernten sich vor Jahren im Gästehaus auf dem Petersberg bei Bonn kennen. Der Iraner hatte sich vom Teller waschenden Studenten hochgearbeitet, Kurse belegt, Abschlüsse gemacht. "Per Handschlag gründeten wir die Firma", erinnert sich Schardt.

Mostafa Sarreshtehdari kämpft um seine Einbürgerung

Anders ging es nicht. Sarreshtehdari konnte auf Grund seines Aufenthaltsstatus keine Firma gründen. So führte der Pfälzer die Geschäfte. Sein ausländischer Partner organisierte Aufträge, schuf dadurch Arbeitsplätze. Dem Geschäftsmann gehören inzwischen 60 Prozent der Firmenanteile von vdq . Das Unternehmen arbeitet unter anderem mit der Hotelkette Maritim zusammen. Auch das Gästehaus auf dem Petersberg gehört zu den Kunden. An die 350.000 Euro jährlich führt der Unternehmer an Sozialleistungen für sein Team ab.

Mostafa Sarreshtehdari kam 1980 zum Studium nach Bonn. Ein Visum brauchte er damals nicht. Vom Vater finanziert, büffelte der Landwirtssohn Agrarwissenschaften am Rhein. Nach dem Studium wollte er den väterlichen Betrieb modernisieren. Doch daraus wurde nichts. "Es kam der Krieg zwischen Irak und Iran", sagt Sarreshtehdari. Der Vater durfte für seinen Sohn keine Devisen mehr ins Ausland schicken.

Für den Moslem, der bei einer evangelischen Studentengemeinde Halt fand, begannen schwierige Zeiten. Auf sich allein gestellt, finanzierte er seine Hochschulausbildung selbst. "Das Studium zog sich dadurch in die Länge." Ganz abgeschlossen hat er es nicht. Als der Vater Ende der 80er Jahre starb, entschloss sich Sarreshtehdari, am Rhein zu bleiben. Einen Asylantrag stellte er nicht, mochte dem Gastland nicht auf der Tasche liegen. "Ich wollte arbeiten und meine Sozialbeiträge zahlen."

Wo bleibt der Realitätssinn der Einwanderungsbehörden?

Wo bleibt der Realitätssinn der Einwanderungsbehörden?

Letztendlich blieb ihm aber doch nichts anderes übrig. Obwohl er mit seiner ebenfalls aus dem Iran stammenden Ehefrau eine Wohnung in Bonn hatte, musste der Unternehmer vorübergehend auf einem Containerschiff und in Unterbringungsheimen leben. Davor hätte ihn ein Visum bewahrt, dass er sich aber im Iran hätte holen müssen.

Wie das Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge (Bafl) berichtet, stellten knapp 88.300 Menschen im vergangenen Jahr in Deutschland einen Asylantrag. Wer abschlägigen Bescheid erhält, versucht nicht selten, sein Bleiberecht auf juristischem Weg einzuklagen. Auch Sarreshtehdari ging diesen Weg - und hatte Erfolg. Das Verwaltungsgericht fällte ein Urteil zu seinen Gunsten.

"Jetzt bin ich endlich in meiner Heimat Deutschland angekommen", sagt der Unternehmer. Fünf Jahre hat Mostafa Sarreshtehdari, der schon seine Einbürgerung plant, keinen Urlaub gemacht. Bevor er seine Erfahrungen in Deutschland und mit den Deutschen aufschreiben will, möchte er seinen Bruder in den USA besuchen. "Das geht aber nur, wenn ich den Urlaubsschein unterschreibe", scherzt Geschäftspartner Schardt.

Odyssee durch den Behördendschungel

Für den iranischen Geschäftsmann Mostafa Sarreshtehdari ist eine lange Zeit der Ungewissheit vorbei. Jahrelang hatte der in Bonn lebende 39-Jährige um seine Anerkennung als Asylbewerber gekämpft, jetzt darf er in Deutschland bleiben. Ein entsprechendes Urteil des Verwaltungsgerichts Köln ist rechtskräftig. An den Weg durch das Behördendickicht mag Sarreshtehdari, der seit 22 Jahren in Deutschland lebt, nun nicht mehr denken: "Ich bin einfach nur glücklich."

Auch die gut 70 Mitarbeiter seiner Firma, der VDQ Hotelservice-Management GmbH Bonn, atmeten nach der Entscheidung des Gerichts auf. "Eine Ausweisung wäre eine Katastrophe gewesen", meint Fred Schardt, VDQ-Geschäftsführer. "Wir hätten dicht machen und die Leute auf die Straße setzen müssen." Die meisten Mitarbeiter seien anerkannte Asylbewerber. Gut zehn Nationalitäten arbeiteten friedlich unter einem Dach vereint. Ohne ihren Manager wäre das nicht gegangen. "Er spricht sechs Sprachen und kennt die Kulturen", sagt Schardt.

Steffi Prutean, dpa

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