MLP Neuer Hiobsbote in Heidelberg

MLP-Chef Termühlen greift nach dem neuerlichen Kursverfall durch. Kommunikationschefin Funck wird ersetzt. Zudem droht das ins Gerede gekommene Finanzhaus seinen Kritikern mit rechtlichen Schritten.

Heidelberg - Ein guter Kontakt zu den Aktionären ist für Börsenunternehmen wichtiger denn je. Wem der direkte Draht zu den Investoren fehlt, der kann schnell ein Debakel erleben. Das musste MLP-Chef Bernhard Termühlen schmerzhaft erfahren.

Als der Finanzdienstleister Mitte Mai zum ersten Mal mit dem Verdacht der Bilanztrickserei konfrontiert wurde, gelang es Termühlen und seiner Investor-Relations-Truppe nicht, die vom Anlegermagazin "Börse Online" erhobenen Vorwürfe nachhaltig zu entkräften. Die MLP-Aktie  verlor innerhalb weniger Tage ein Drittel ihres Wertes.

"Wir waren nicht ausreichend vorbereitet"

Als vor zwei Tagen "Börse Online" mit neuen Vorwürfen nachlegte, durchlebten Termühlen und die bisherige Unternehmenssprecherin Jutta Funck ein zweites Waterloo: Beide befanden sich auf dem Rückflug von einer Analystenkonferenz als die Vorabmeldung des Anlegermagazins bekannt wurde. Und so blieb MLP zunächst sprachlos. Ein freier PR-Berater versuchte, die Anfragen der Journalisten irgendwie zu beantworten.

Währenddessen stürzte die MLP-Aktie ab. Termühlen, der nach Unternehmensangaben 13 Prozent der Aktien hält, stieg um etliche Millionen Euro ärmer aus dem Flieger. "Natürlich ist die Pressestelle unterbesetzt", sagte Funck anschließend der Nachrichtenagentur dpa-afx: "Wir waren auf den Eintritt in den Dax vielleicht nicht ausreichend vorbereitet."

Nun - mit zweitägiger Verzögerung - gibt Termühlen die Konsequenzen aus dem Informationsdebakel bekannt. Die bisherige Kommunikationschefin Funck wird durch den ehemaligen Vice President Corporate Communications von DaimlerChrysler, Michael Pfister, ersetzt. Den 43-Jährigen erwartet eine schwere Aufgabe: Er soll das erschütterte Vertrauen der Finanzmärkte in das Dax-Unternehmen MLP wieder herstellen.

"Da braut sich etwas zusammen"

Kärrnerarbeit für Pfister

Pfister war bei DaimlerChrysler als Mitglied des Direktoriums für die globale Unternehmenskommunikation verantwortlich. Er verließ den Autobauer Anfang des Jahres "in gegenseitigem Einvernehmen", wie es damals hieß. Zuvor verantwortete er die Öffentlichkeitsarbeit bei der ehemaligen Viag AG und bei SAP.

Pfister soll sein neues Amt Mitte Juli antreten. Funck, die den Bereich aufgebaute, werde das Unternehmen nicht verlassen, erklärte MLP auf Nachfrage gegenüber manager-magazin.de. Sie solle künftig eine Führungsposition in dem im Aufbau befindlichen Unternehmensbereich "Internationale Expansion" übernehmen, hieß es.

Gegenseitige Klageankündigung

Warum Termühlen erst jetzt handelte, bleibt ein Rätsel. Schon Mitte Mai hatte er eine Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit angekündigt. Damals hatte "Börse Online" erstmals berichtet, MLP habe über das Rückversicherungsgeschäft hohe Schulden außerhalb der Bilanz aufgebaut, worauf der Kurs eingebrochen war. Analysten und Aktionärsschützer hatten wiederholt die mangelnde Transparenz der Geschäftszahlen bemängelt und die unzureichende Öffentlichkeitsarbeit gerügt - auch wenn sie größtenteils die Kritik an der Bilanzierung in der Sache nicht teilten.

Diesmal allerdings glaubt MLP, sich auch juristisch gegen die neuen Vorwürfe wehren zu können: Mit dem zweiten Artikel habe das Magazin "wirkliche Fehler gemacht", sagte Termühlen im Fernsehsender n-tv. Unter anderem sei der von "Börse Online" angeführte Bilanzexperte Karlheinz Küting falsch zitiert worden. Der Chefredakteur des Blattes, Johannes Scherer, zeigte sich unbeeindruckt: "Wir sehen unsere Vorwürfe nicht entkräftet." Das Magazin will nun seinerseits gerichtlich gegen MLP vorgehen.

"Da braut sich etwas zusammen"

Nach Ansicht von Aktionärsschützern haben die Vorwürfe über angeblich unsaubere Bilanzierung bei MLP Substanz. "Da braut sich etwas zusammen", sagte der Vorstandsvorsitzende der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK), Klaus Schneider, am Freitag. Zu diesem Schluss sei die SdK nach eigenen Recherchen gekommen. Die Entgegnungen von MLP auf die Vorwürfe des Anlegermagazins seien äußerst unbefriedigend und nährten den Verdacht, sagte Schneider.