BASF Kronprinz gekürt?

Das Pokern um den Chefposten beim größten deutschen Chemiekonzern scheint ein Ende gefunden zu haben. Vorstandsmitglied Eggert Voscherau wird offen als Nachfolger von Jürgen Strube gehandelt.

Hamburg - BASF-Vorstandsmitglied Eggert Voscherau wird in Konzernkreisen als Nachfolger des derzeitigen Unternehmenschefs Jürgen Strube gehandelt. "Voscherau ist der Einzige, der jetzt in Strubes Schuhe passt", so ein Insider gegenüber der "Financial Times Deutschland".

Strube scheidet zur Hauptversammlung im Mai 2003 aus dem Vorstand des Ludwigshafener Chemiekonzerns aus und wechselt in den Aufsichtsrat von BASF . Auch Finanzchef Max Dietrich Kley wird aus Altersgründen seinen Hut nehmen.

Die großen Drei

Strube, Kley und Voscherau gelten als "die großen Drei im Führungsgremium" der BASF . Der 59jährige Voscherau, ein Bruder des früheren Hamburger Bürgermeisters, sei sowohl bei den Managern als auch bei der Belegschaft anerkannt. Zu seinen Erfolgen zähle der Verkauf des BASF-Pharmageschäfts an den US-Konzern Abbott  für 6,9 Milliarden Dollar im vergangenem Jahr.

Der Zeitpunkt für den Verkauf war gut gewählt, denn mittlerweile bereiten dem US-Konzern Abbott Laboratories die von BASF gekauften Sparten zusehends Probleme. Der Pharmariese musste Mitte der Woche seine Gewinnprognose revidieren - unter anderem, weil der Umsatz mit dem Schlankheitsmedikament Meridia sinkt. Meridia ist eines der Hauptprodukte der früheren BASF-Pharmasparte.

Gegen Voscherau spricht nur sein Alter

Gegen Voscherau spricht eigentlich nur sein Alter, denn der 59jährige könnte nur wenige Jahre an der Konzernspitze stehen. Deshalb wäre auch eine Übergangslösung denkbar, ließ BASF durchblicken. Mit einer Entscheidung sei aber in jedem Fall nicht vor Ende 2002 zu rechnen.

Neben Voscherau sind noch drei weitere Kandidaten für den Chefposten im Gespräch, die aber weitaus schlechtere Chancen haben: Der 52jährige John Feldmann ist im Vorstand verantwortlich für das wichtige Gebiet Kunststoffe. Er kam erst 1988 zur BASF. Diese Tatsache gilt in dem Traditionsunternehmen als Malus. Zwölf Jahre später war er allerdings schon Vorstand: eine für Ludwigshafener Verhältnisse steile Karriere.

Auch die Aussichten des 48jährigen Stefan Marcinowski werden weniger hoch eingeschätzt. Der Mann drängt sich zu sehr in den Vordergrund, und ihm mangelt es, so Insider, an Führungsqualitäten.

Als dritter Bewerber gilt Jürgen Hambrecht (54). Er ist Spezialist für die hochkomplexen Verbundstandorte des Unternehmens und bereits seit 25 Jahre bei BASF. Alle drei können aber, so scheint es, Eggert Voscherau nicht das Wasser reichen.

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