Lothar Späth Ende einer One-Man-Show

Erst Vorstandschef - und dann? Es wird ein "Abschied auf Raten", sagte Lothar Späth bei seinem letzten offiziellen Auftritt als Jenoptik-Lenker. Jetzt will er sich auf seinen Posten als Wirtschaftsminister im Schattenkabinett der CDU vorbereiten.

Erfurt - Vorstandschef Lothar Späth hat die Weichen für seinen vorzeitigen Rückzug von der Spitze des größten ostdeutschen Technologiekonzerns Jenoptik  gestellt. Das Unternehmen sei schuldenfrei, solide finanziert und trotz Halbleiterkrise in sicherem Fahrwasser, sagte Späth am Dienstag bei seinem möglicherweise letzten großen Auftritt vor rund 900 Aktionären der Jenoptik AG in Erfurt. Der Führungswechsel im seit 1998 börsennotierten Konzern mit fast 7000 Beschäftigten und zwei Milliarden Euro Jahresumsatz sei unabhängig von seinen politischen Ambitionen seit langem vorbereitet.

"Wir haben die Voraussetzung für meine Abberufung geschaffen." Zum Stellvertreter des 64-Jährigen berief der Aufsichtsrat den 38 Jahre alten Finanzvorstand Alexander von Witzleben. Späth, der Jenoptik 1991 nach seinem Rücktritt als CDU-Ministerpräsident von Baden-Württemberg als hochsubventioniertes Staatsunternehmen übernahm, warb bei den Aktionären um Verständnis für seine Rückkehr in die Politik. Und er bekam Applaus dafür.

Eine Hintertür bleibt offen

"Ich konnte dem Reiz nicht widerstehen", gestand der Politmanager und Ost-Aufbauhelfer. Gemeint ist das Angebot der Union, bei einem Wahlsieg im September ein um die Bereiche Arbeit und Aufbau Ost erweitertes Wirtschaftsministerium zu übernehmen. Dann würde er den Vorstandsvorsitz früher an von Witzleben abgeben. Doch Späth hält sich eine Hintertür offen: "Wenn das alles nichts wird, müssen Sie mich bis zur nächsten Hauptversammlung ertragen." In diesem Fall will er wie geplant an die Spitze des Aufsichtsrats wechseln.

"Es ist noch zu früh, Ihnen für Ihre Arbeit zu danken", meinte Lars Labryga von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre. Zu einer Abschiedsfeier wurde die Hauptversammlung in Erfurt nicht. Aktionärsschützer Malte Diesselhorst zeigte sich erleichtert, "dass es keine Wahlkampfrede gab, sondern sachlich informiert wurde". Viel zu mäkeln hatten die Aktionäre an der Arbeit des Vorstandes nicht.

"Jenoptik steht gut da", fand Diesselhorst. Auch die Personalentscheidungen - ein Jahr früher als geplant rückt der bisherige Geschäftsführer der Jenaer Laser-Tochterfirma Norbert Thiel in die Managementspitze auf - würden Kontinuität versprechen.

Späth hofft auf Geschäftsbelebung

Selbst die verhaltene Prognose von Späth für das laufende Geschäftsjahr störte nicht. Nach den Rekordjahren 2000 und 2002 mit Plus 25 Prozent bei Umsatz und Ertrag rechnet der Schwabe mit einem Konsolidierungsjahr mit einem Umsatz von erneut zwei Milliarden Euro.

Der Jahresüberschuss ohne Sondereffekte könnte jedoch leicht unter dem Vorjahreswert von rund 69 Millionen Euro liegen. Im zweiten Halbjahr hofft Späth auf ein Anziehen der Aufträge aus der Halbleiterindustrie, für die Jenoptik weltweit Chipfabriken baut.

Bei der Abstimmung ging dann alles sehr schnell: Die Dividende von 0,70 Euro pro Aktie für 2001 wurde von den Aktionären abgesegnet, die Aufsichtsratsmitglieder in ihrem Amt bestätigt. Dann wurde abgebrochen - ohne Schlusswort von Späth. Die Fußballübertragung im Fernsehen lief bereits.

Simone Rothe, dpa

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