Mittwoch, 19. Juni 2019

Trienekens Das jähe Ende eines Müllbarons

2. Teil: Gut geschmiert


Gut geschmiert

Antwerpes hatte Trienekens auch zum obersten Müllverbrenner in Nordrhein-Westfalen gemacht, da er für eine regelmäßige Auslastung der Anlagen und eine gleichmäßige Gebührenentwicklung sorgte. Trienekens wird vorgeworfen, im Zusammenhang mit dem Bau der Kölner Müllverbrennungsanlage unkorrekt verbuchte Spenden an die Kölner SPD gezahlt zu haben.

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Nach Inbetriebnahme der MVA kletterten die Kölner Müllgebühren in ungeahnte Höhen, die Stadt musste nach einem Gerichtsurteil 75 Millionen Euro an die Bürger zurückzahlen. Mit dem Bau der 410 Millionen Euro teuren Müllverbrennungsanlage im Kölner Stadtteil Niehl sollen fast 15 Millionen Euro an Schmiergeldern geflossen sein. Die SPD, die 43 Jahre lang bis 1999 die Domstadt regierte, hat im Zusammenhang mit dem Bau der MVA nach vorläufigem Erkenntnisstand mindestens 424.000 Euro illegale Spenden von insgesamt neun Unternehmen kassiert.

Die Schmier- und Bestechungsgelder an die SPD kamen zu einem großen Teil von der Trienekens AG. Diese hatte es inzwischen mit Unterstützung von SPD und CDU in den Kommunen Nordrhein-Westfalens geschafft, zum größten deutschen Unternehmen in der Abfallbeseitigungsbranche zu werden.

Als einziger Konzern hat die Trienekens AG Zugang zu Müllverbrennungsanlagen in mehreren Großstädten. Sie ist Miteigentümerin der Anlagen in Köln, Essen, Aachen, Krefeld und Düsseldorf und durch Kontingentverträge mit weiteren verbunden. Auf Grund der Überkapazitäten in NRW importiert Trienekens Müll aus ganz Europa; sogar aus dem süditalienischen Neapel kommt der Müll.

Untergang einer Marke

Trienekens' Goldesel war die Müllverbrennung. Schon jetzt müssen die Kommunen stetig wachsende Mengen Abfall verfeuern lassen. Von 2005 an darf in Deutschland überhaupt kein Müll mehr auf die Deponie.

Der Müllkönig setzte zuletzt 900 Millionen Euro jährlich mit seinem Konzern um. 4700 Mitarbeiter sammeln mit mehr als 1000 Fahrzeugen Unrat ein, sortieren, verbrennen und verkaufen. Trienekens war die Nummer eins auf dem deutschen Entsorgungsmarkt, schrieb das Bundeskartellamt, "mit Spielräumen im Wettbewerb, über die kein anderer verfügt".

Mülltransport: Die lange Reise des Entsorgers hat ein Ende gefunden
Nach dem Kölner Spendenskandal stand Hellmut Trienekens zuletzt wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung im Rampenlicht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn. Trienekens hatte eingeräumt, rund 76.700 Euro an den Ex-SPD-Fraktionschef in Köln, Norbert Rüther, privat gespendet zu haben. Dieser soll die Gelder illegal gestückelt und als Parteispenden verbucht haben.

Mit der Firmenübernahme durch die RWE Umwelt AG geht die Ära des Viersener Müllkönigs Hellmut Trienekens zu Ende. Der Markenname einer der größten deutschen Entsorgungsfirmen wird durch den unbefleckten Namen der RWE Umwelt AG ersetzt. Doch trotz des Niedergangs hat die Familie Trienekens eine dreistellige Millionensumme für den Konzern erhalten. Damit dürfte der Entsorger ausgesorgt haben - bis an sein Lebensende.

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