Documenta 11 Ab nach Kassel!

Die weltweit größte und teuerste Ausstellung für zeitgenössische Kunst ist ein Goldesel für die nordhessische Provinz. Blühende Landschaften - für 100 Tage.
Von Michael Dauer

Kassel/Hamburg - Die weltweit größte Ausstellung für zeitgenössische Kunst - die Documenta 11 - ist seit diesem Wochenende in Kassel zu sehen. 100 Tage lang bis zum 15. September wird die nordhessische Provinz wieder aus Ihrem Dornröschenschlaf erwachen, um sich den rund 650.000 erwarteten Gästen aus der ganzen Welt von ihrer charmantesten Seite zu präsentieren.

Kassel, das ist die Stadt, die man lieber verschweigt, die als ähnlich langweilig und unwirtlich gilt wie Hannover oder Bielefeld. Kassel hat die Kunstausstellung Documenta, die alle fünf Jahre für weltweite Aufmerksamkeit sorgt, aber ansonsten ein großes Imageproblem. Im zweiten Weltkrieg zerbombt und in den 60er und 70er Jahren verschandelt, wird sie von vielen weiträumig umfahren. Es sei denn, sie interessieren sich für Sonnenuhren, antike Tapeten oder die Gebrüder Grimm, für die man in Kassel Museen errichtet hat.

Der Goldesel Nordhessens

Bei allen künstlerischen Idealen geht es bei der Documenta doch vor allem um eines: viel Geld. Die bedeutendste Ausstellung für Gegenwartskunst bietet nicht nur für aufstrebende Künstler ein Forum, sie ist auch die weltteuerste Kunstausstellung. Ein Politikum ist die Documenta nicht nur in künstlerischer, sondern auch in wirtschaftlicher Hinsicht.

Schwarze Zahlen

Bernd Leinfeld, seit 1996 Geschäftsführer der Documenta, nahm die Eröffnung zum Anlass, über die finanzielle Ausstattung zu klagen und mehr Geld von der öffentlichen Hand zu fordern. Damit die Documenta 11 nicht mit Verlusten abschließt, müssen bis zum 15. September 630.000 Besucher nach Kassel kommen. Mehr als 6,9 Millionen Euro müssen noch erwirtschaftet werden.

Documenta boomt

Die Zahlen orientieren sich an denen der vorausgegangenen Documenta 1997. Diese schloss mit einen Besucherrekord von 629.000 Besuchern und einem Plus von 1,4 Millionen Mark ab. Die vorherigen Ausstellungen haben fast immer fünf- bis sechsstellige Verluste angehäuft. Doch die dreimonatige Kunstmetropole profitiert enorm von den vielen Gästen, die jede Menge Geld in der Region lassen.

Gäbe es die Documenta nicht, wäre der Aufstieg einzelner Künstler undenkbar gewesen. Prominentestes Beispiel ist Joseph Beuys: Das Enfant terrible der deutschen Kunst wäre ohne dieses Forum gewiss nicht zum Symbol für moderne Kunst geworden. Doch auch Kassel hätte ohne die Documenta und die über die Stadt einbrechenden Besucher ein ganz anderes Erscheinungsbild.

Eine Ausstellung der Superlative?

Der künstlerische Leiter der Documenta 11, Okwui Enwezor, setzt dieses Jahr auf sozialkritische Akzente. Das Land Hessen, das die Documenta und die Museum Fridericianum Veranstaltungs GmbH in der Zeit von 1999 bis einschließlich 2003 mit einem Betrag von insgesamt 6,3 Millionen Euro fördert, erwarte, dass die Documenta 11 ein überwältigender Erfolg werde, betonte die hessische Wissenschafts- und Kulturministerin Ruth Wagner. Wenn die Rechnung der Ausstellungsmacher aufgeht, wie es den Anschein macht, dann wird die Documenta 11 viel Geld für die nordhessische Provinz abwerfen.

Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.