WM-Rechtestreit Droht die Auswechslung?

Günter Netzer ist ein Meister des Doppelpasses. Für die ARD kommentiert er die WM-Spiele und bei Kirch wirkt er als Repräsentant. Leider sind seine beiden Arbeitgeber derzeit nicht gut aufeinander zu sprechen.

Hamburg – Zwischen der insolventen KirchMedia und den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern gibt es atmosphärische Störungen. Der Streit um die TV-Rechte an der Fußballweltmeisterschaft 2002 erhitzt die Gemüter.

Einem dürfte die Rangelei um die Rechte gar nicht gelegen kommen: Günter Netzer. Der Ex-Fußballprofi steht bei dem Konflikt zwischen den Fronten. Einerseits arbeitet er für die ARD. Gemeinsam mit Gerhard Delling kommentiert der frühere Mittelfeldregisseur von Borussia Mönchengladbach die Spiele des laufenden Weltmeisterschaftsturniers.

Andererseits ist Günter Netzer aber auch ein Angestellter von Leo Kirch. Sein Name taucht im Handelsregistereintrag der Firma Kirch Sport AG im schweizerischen Zug auf. Gegenüber manager-magazin.de bestätigte eine Unternehmens-Sprecherin, dass Netzer als Repräsentant für die Kirch-Tochter aktiv ist.

In Zug liegen derzeit die TV-Rechte für die Fußball-WM. In einem geschickten Schachzug hatte Kirch die Lizenzen kurz vor der Insolvenz auf die Kirch Sport AG übertragen.

Die ARD sieht Netzers Doppelpass unproblematisch

Bis dahin war Netzers Doppelpass mit ARD und Kirch unproblematisch. Jetzt aber, da die Zeichen zwischen den Vertragspartnern auf Sturm stehen, sitzt er zwischen den Stühlen. Netzer selbst wollte sich zu dem Thema gegenüber manager-magazin.de nicht äußern.

Die ARD hat jedoch mit seiner Tätigkeit bei der Kirch Sport AG keine Probleme. Martin Gartzke, Sprecher des Norddeutschen Rundfunks, sagte gegenüber manager-magazin.de: "Wir sehen hier keinen Konflikt, sondern sind froh darüber, Günter Netzer in unseren Reihen zu haben."

Bleibt zu hoffen, dass sich Netzers Arbeitgeber bald über die WM-Rechte einigen. Sollte KirchMedia tatsächlich die Lizenzen wieder zurückfordern, wäre er zumindest seinen Job als Kommentator los. Sehr tragisch wäre diese Entwicklung für Netzer allerdings nicht. Er könnte sich dann umgehend daran machen, die TV-Rechte im Auftrag der Kirch Sport AG neu zu vermarkten.