VW Des Kaisers neue Kleider

Bernd Pischetsrieder gibt einen scharfen Kurswechsel in der Präsentation vor. Die Kommunikationstruppe wird ausgetauscht, der neue VW-Chef gibt die Marschrichtung vor: Das wichtigste ist "das Produkt, das Produkt und das Produkt".

Wolfsburg - Knapp zwei Monate nach Amtsantritt hat VW-Chef Bernd Pischetsrieder einen neuen Kurs in der Außendarstellung des Wolfsburger Autokonzerns vorgegeben. Ein Trio wird künftig mit deutlichen Abgrenzungen für die Kommunikation im Konzern sowie den beiden gebildeten Markengruppen VW und Audi verantwortlich sein.

Für den Konzern ist laut VW-Angaben vom Mittwoch vom 1. September an der bislang stellvertretende Sprecher der Deutschen Bahn AG, Dirk Große-Leege (37), zuständig. Der seit Ende 2001 amtierende kommissarische VW-Konzernsprecher Stephan Grühsem löst zum 1. Oktober als Sprecher der Audi-Markengruppe (Audi, Seat, Lamborghini) in Ingolstadt Rainer Nistl (58) ab, der das Unternehmen verlässt.

Als kommissarischer Leiter der VW-Markenkommunikation wurde Hans-Gerd Bode benannt. Ob er künftig auch für die Markengruppe VW (VW, Skoda, Bentley) sprechen wird, ist noch offen.

"Strippenzieherei"

Pischetsrieder will mit seinen Personalentscheidungen die Präsentation der Marken-Produkte nach Außen stärken. Er hat mehrfach verkündet, die drei wichtigsten Aufgaben für VW seien "das Produkt, das Produkt und das Produkt". Grühsem wie auch Bode stehen seit Jahren bei VW-Markenkommunikation und Motorpresse für diese Linie.

Gleichzeitig wird die unter dem bereits Ende 2001 geschassten Klaus Kocks stark zentralisierte VW-Kommunikation aufgebrochen und teilweise entmachtet. Große-Leege bekommt anders als Kocks keinen Vorstandsposten. Pischetsrieder habe Lehren aus den Erfahrungen seines Vorgängers Ferdinand Piëch gezogen, der sich zunehmend über die "Strippenzieherei" von Kocks im Unternehmen geärgert habe.

Die Wahl Große-Leeges, der nicht ganz oben auf der Wunschliste gestanden haben soll, löste im Unternehmen teilweise Überraschung aus. Sein als Kommunikations-Profi bei Daimler-Benz und Audi wirkender Vater Detmar Große-Leege galt als Intimus von DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp.