Gerling Angsttriebe

Nach den US-Terroranschlägen musste der Versicherungskonzern mächtig Federn lasssen. Daran konnte auch der neue Chef Heinrich Focke nichts ändern. Jetzt wird der Vorstand erneut umbesetzt. Populärstes Opfer: Chefsanierer Stefan Volk.

Hamburg - Gerling kommt nicht zur Ruhe. Nachdem Ende vergangenen Jahres der Ex-Chef Jürgen Zech seinen Hut nehmen musste, hat der Konzern drei neue Vorstandsmitglieder für seine Holding, die Gerling-Konzern Versicherungs-Beteiligungs-AG, bestellt.

Bernd H. Meyer (55), zuletzt Vorstandsvorsitzender der Gerling NCM Credit and Finance AG, wird Holdingvorstand für Kreditversicherungen, Wolfgang Breuer (40), Generalbevollmächtigter der Gerling Allgemeine Versicherung AG, wird Personalvorstand, Immo Querner (39), Generalbevollmächtigter der Holding, wird Vorstand für Rechnungswesen, Beteiligungen und Controlling.

Gleichzeitig ist Personalvorstand Uwe-Volker Bilitza (58) aus dem Unternehmen ausgeschieden. Stefan L. Volk (48) Holdingvorstand und Geschäftsführer der Gerling Gesellschaft für Vermögensmanagement, hat den Vorstand gebeten, seinen Vertrag nicht zu verlängern. Die personellen Veränderungen lagen schon seit längerem in der Luft. Denn die Geschäftszahlen des vergangenen Jahres waren eine Katastrophe.

Privater Aderlass

Als Folge der schlechten Ergebnisse musste Ex-Chef Jürgen Zech einen Teil seiner Abfindung zurückzahlen. Auch die verbliebenen Vorstandsmitglieder des Versicherungskonzerns sollen bereits ausgezahlte Tantiemen erstatten. Großaktionär Rolf Gerling forderte von Zech die Hälfte des Abfindungsbetrags zurück, nachdem er von den desaströsen Geschäftszahlen für 2001 erfahren hatte. Vor allem im USA-Geschäft waren Milliardenverluste entstanden.

Auch der ehemalige Rückversicherungs-Vorstand Norbert Strohschen musste auf seine gesamte Abfindung verzichten, sein erst im vergangenen Jahr erneuerter Fünf-Jahres-Vertrag war annulliert worden. Die verbliebenen Gerling-Vorstandsmitglieder sollen ihre für 2001 bereits ausgezahlte Tantieme erstatten.

Wird Gerling zerschlagen?

Unterdessen bemühen sich nach einige Finanzchefs aus der deutschen Industrie darum, einen inländischen Käufer für das 34,5-Prozent-Paket zu finden, das die Deutsche Bank an Gerling besitzt. Die Bank will die Aktien loswerden, zwei US-Konsortien stehen als Käufer bereit.

Die deutsche Wirtschaft befürchtet, dass Gerling zerschlagen werden könnte und dass es dann im Industrieversicherungsgeschäft keinen Konkurrenten zur übermächtigen Allianz mehr gäbe. Bislang hat sich die Industrie jedoch nicht auf eine Auffanglösung einigen können.

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