Foris Die hässlichen Winkelzüge der Advokaten

Der Machtkampf beim Prozessfinanzierer ist entschieden. Christian Rollman wird Vorstand.

Berlin - Beim angeschlagenen Berliner Prozessfinanzierer Foris  ist der bisherige Vorstand Christian Rollmann künftig allein für die Unternehmensführung zuständig. Kurz vor Beginn der Hauptversammlung in Berlin wurde Firmengründer Lothar Müller-Güldemeister vom Aufsichtsrat völlig überraschend als Vorstand abgesetzt. "Der Aufsichtsrat der Foris AG hat Herrn Müller-Güldemeister von seinem Amt als Vorstand mit sofortiger Wirkung abberufen", hieß es in einer Ad-hoc-Mitteilung.

Damit vollzog der Aufsichtsrat plötzlich eine völlige Kehrtwendung, denn erst Mitte der vergangenen Woche hatte sich das Gremium für Müller-Güldemeister als alleinigen Vorstand entschieden. Rollmann sollte, wie Foris damals mitteilte, das Unternehmen eigentlich verlassen. Zwischen den beiden Vorständen gab es seit längerer Zeit vor allem unterschiedliche Ansichten über die künftige Strategie des Unternehmens.

Die Börse reagiert verschnupft

Zunächst musste sich Rollmann geschlagen geben. Innerhalb von 48 Stunden gelang es ihm dann aber doch, den Aufsichtsrat von seinem Konzept zu überzeugen. Die Börse reagierte mit einem weiteren Kursverlust. So schloss die Foris-Aktie im Frankfurter Xetra-Handel mit einem 1,26 Euro und einem Verlust von 13,10 Prozent. Die größtenteils von Rechtsanwälten getragene Foris AG wurde 1996 gegründet und ging als erstes Branchenunternehmen an die Börse. Rollmann stieß 1998 kurz vor dem Börsengang dazu. Prozessfinanzierer springen ein, wenn Kläger trotz aussichtsreicher Position das Prozesskostenrisiko nicht tragen wollen oder können.

Mit einem Streit mit der Deutschen Börse um die Ausschlussregeln am Neuen Markt hatte Foris bundesweit für Furore gesorgt. Im ersten Quartal 2002 wies Foris, die später auch Vorratsgesellschaften verkaufte, einen Konzernverlust von 895000 Euro aus - bei einem Umsatz von 5,34 Millionen Euro.

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