WM 2002 Weltcup der Wirtschaftsmächte

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Kick und Konjunktur? Laut Goldman Sachs auf jeden Fall. Die Investmentbanker behaupten, dass erfolgreiche WM-Teilnehmerländer auch wirtschaftlich auftrumpfen. Rudi Völlers Truppe muss sich also reinhängen.

Hamburg – König Fußball regiert die Welt – zumindest während der Weltmeisterschaft bis zum 30. Juni. Auf allen Kontinenten wird ein Millionen-Publikum das Turnier vor dem Fernseher verfolgen. Fußball ist Globalisierung pur.

Beim Stichwort Globalisierung stellt sich die Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen Ballsport und Wirtschaft gibt. Der Investmentbanker Jim O'Neil jedenfalls geht davon aus. In einer nicht ganz ernst gemeinten Studie für Goldman Sachs hat O'Neil bereits zum zweiten Mal nach dem Weltcup 1998 in Frankreich die Verbindungen zwischen dem WM-Erfolg und der Konjunkturentwicklung einzelner Länder untersucht.

Erfolg beim Fußball gleich Erfolg in der Ökonomie?

Das Ergebnis der Studie: Jene Nationen, die bei den WM-Begegnungen vorne mit dabei sind, stehen auch bei der Ökonomie im internationalen Vergleich ganz oben.

Die stärksten europäischen Volkswirtschaften Deutschland, England, Frankreich und Italien gehören von jeher zu den erfolgreichen Fußballländern. Unter den G7-Staaten sind mit Japan und den USA nur zwei Nationen im fußballerischen Niemandsland angesiedelt. Aber selbst die beiden Außenseiter sind bei der Weltmeisterschaft in Fernost mit dabei.

Erstaunlicherweise scheint es tatsächlich eine Verbindung zwischen dem Titelgewinn und dem wirtschaftlichen Aufschwung zu geben. Länder, die seit 1966 den Cup mit nach Hause nahmen, konnten die globalen Wachstumsindizes teilweise um neun Prozentpunkte toppen.

Die Jackie-Charlton-Theorie

Ausgerechnet Irland, der Gruppengegner der deutschen Nationalmannschaft, wird als Paradebeispiel für den Zusammenhang zwischen wirtschaftlichem Aufschwung und fußballerischem Erfolg gehandelt. 1988 lag das irische Bruttoinlandsprodukt bei etwa 67 Prozent des EU-Durchschnitts. Im Jahr 2002 erreichen die Iren mehr als 140 Prozent des europäischen Mittelwertes.

Im gleichen Zeitraum feierten die Iren für ihre Verhältnisse große Erfolge auf dem Rasen. Bei der Europameisterschaft 1988 schlugen sie den Übergegner England mit 1:0. Bei der Weltmeisterschaft 1990 erreichten sie das Viertelfinale und beim WM-Turnier 1994 gelangten sie unter die besten 16. Die alternative Erklärung für den irischen Aufschwung ist auch als Jackie-Charlton-Theorie bekannt. Als Nationaltrainer führte Charlton die Iren 1990 in Italien ins WM-Viertelfinale.

Trübe Aussichten für Deutschland

Trübe Aussichten für Deutschland

In den aktuellen Gruppen finden sich laut Goldman Sachs weitere Beispiele für die Korrelation von Wirtschaft und Ballsport. Kroatien etwa ist derzeit sowohl ökonomisch als auch fußballerisch im Aufschwung. Gleiches gilt für Schweden oder für die WM-Debütanten Senegal und China.

Was Iren und Kroaten hoffnungsvoll für die anstehenden Begegnungen stimmen dürfte, ist für die deutsche Nationalmannschaft ein schlechtes Omen. Sollte tatsächlich ein Zusammenhang zwischen Wirtschaft und Fußball bestehen, müsste die Rudi-Völler-Truppe wohl nach der Vorrunde den Rückflug antreten.

Kein Wunder, dass die Bundesrepublik in der Goldman-Sachs-Studie als Beleg für die Kick-gleich-Konjunktur-Theorie angeführt wird. Sowohl auf dem Rasen als auch in der Ökonomie gilt Deutschland als Schwergewicht mit Ladehemmungen. Trübe Aussichten also für die anstehenden Fußballspiele.

Wichtig ist auf dem Platz

Immerhin: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Zudem nimmt Goldman Sachs die eigene Theorie nicht für bare Münze. Die Investmentbanker sehen Argentinien, Frankreich, Italien und Spanien als heißeste Titelaspiranten.

Besonders Argentinien glänzt in letzter Zeit bekanntlich nicht gerade mit tollen Konjunkturprognosen. Auch Italien und Frankreich machen derzeit nicht durch brummende Konjunkturmotoren von sich Reden.

Für Kahn und Co. bestehen demnach trotz malader Marktlage daheim dennoch Chancen auf ein erfolgreiches Turnier. Grau ist eben alle Theorie. Und vor allem: Wichtig ist auf dem Platz.

Überblick: Die WM-Länder und ihre Mannschaften Spielorte: Wo das Leder in Japan und Südkorea rollt Spielplan: Spielzeiten, TV-Ausstrahlung, Ergebnisse


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