Fiat Jetzt rollen Köpfe

Radikale Umstrukturierung - feuert der hochverschuldete Konzern seinen Vorstand?

Mailand - Der hochverschuldete italienische Mischkonzern Fiat will laut Pressemeldungen im Zuge einer radikalen Umstrukturierung einige Vorstandsmitglieder entlassen. Unter anderem müsse Vorstandschef Paolo Cantarella um seinen Arbeitsplatz bangen, berichtet die "Financial Times" unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise.

Ein neues Management habe die Hände frei, um Fiat auf einen neuen Kurs zu bringen, zitiert das Blatt einen Informanten. Am Dienstag hatten die Agnelli-Familie und die anderen Hauptaktionäre von Fiat den Gläubigerbanken einen größeren Entscheidungsspielraum zugebilligt und die Schuldenstruktur des Konzerns neu gegliedert. Alle Beteiligten hätten auch den Verkauf von Firmenanteilen als wesentlich für die Sanierung von Fiat angesehen.

Banken wollen Anteil der Agnellis nicht verwässern

Geplant sei unter anderem der Verkauf des 38,6-prozentigen Anteils an der Energie-Versorger-Holding Italenergia, berichten die beiden italienischen Tageszeitungen "Il Sole 24 Ore" und "MF" unter Berufung auf Bankenkreise. Zudem könnte der Konzern 51 Prozent der Finanzdienstleistungs -Sparte der Automobil-Tochter Fiat Auto abstoßen, schreibt "MF". Dieser Schritt würde bis zu eine Milliarde Euro einbringen.

Einem Bericht im "Handelsblatt" zufolge haben die Gläubigerbanken zugestimmt, kurzfristige Darlehen in eine Wandelschuldverschreibung von drei Milliarden Euro umzuwandeln. Diese könne nach drei Jahren in Aktien des Autoherstellers getauscht werden. In einem solchen Fall würde der Anteil der Gründerfamilie Agnelli von derzeit 30,6 Prozent erheblich verwässert.

Schwere Bürde

Es sei jedoch nicht Ziel der Gläubigerbanken, die Umwandlung in Aktien herbeizuführen, berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf einen Banken-Insider. Es solle nur Druck aufgebaut werden, damit Fiat mit seinen Beteiligungsverkäufen vorankomme. Mit den Erlösen könne das Unternehmen dann die Wandelschuldverschreibung auslösen.

Fiat habe sich gegenüber den Gläubigerbanken verpflichtet, seine Schulden von derzeit 6,6 Milliarden auf drei Milliarden Euro bis zum Jahresende zu verringern.