DGB Wachwechsel

Sommer löst Schulte ab. Der Dachverband hat nach acht Jahren eine neue Führungsspitze.

Berlin - Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat nach acht Jahren eine neue Führungsspitze. Der DGB-Bundeskongress wählte am Dienstag in Berlin den Politologen Michael Sommer (50) zum neuen DGB- Vorsitzenden und damit zum Nachfolger von Dieter Schulte (62), der nicht mehr antrat.

Der bisherige ver.di-Vize erhielt gut 94 Prozent der 387 gültigen Stimmen. Dies wurde als Vertrauensvorschuss gewertet. Ursula Engelen-Kefer (58) wurde mit 84 Prozent als stellvertretende DGB-Vorsitzende bestätigt. Neu in den Vorstand zog der Metaller Dietmar Hexel (52) ein. Der DGB ist der Dachverband von acht Einzelgewerkschaften mit knapp 7,9 Millionen Mitgliedern.

Gewerkschafterplattitüden

Als Vize-Vorsitzender der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di war Sommer unter anderem für Mitgliederwerbung und Organisationspolitik zuständig. Er will den DGB in die Offensive führen und "die Meinungsführerschaft der Arbeitgeber" brechen. "Der Kapitalismus ist noch aggressiver geworden und das weltweit. Auch viele Unternehmer in unserem Land haben offenbar völlig vergessen, dass nach unserem Grundgesetz Eigentum verpflichtet. Und zwar sozial verpflichtet."

Proletarische Vergangenheit

Zugleich warb Sommer indirekt für eine Wiederwahl von Rot-Grün. Die Gewerkschaften müssten "alles tun, um zu verhindern, dass es ein Zurück in die Vergangenheit" der Kohl-Politik gebe.

Metaller an die Macht

Sommer, der sich als überzeugten Pazifisten bezeichnet und als linksgerichteter Pragmatiker gilt, dürfte einen härteren Kurs fahren als sein Vorgänger Schulte. Der Metaller Schulte war mit seinem konsensorientierten Kurs in den Gewerkschaften immer wieder in die Kritik geraten. Dem Vernehmen nach fand er für eine weitere Amtszeit nicht ausreichend Rückhalt. Schulte erhielt seinerseits bei seinen Wahlen 1994 und 1998 nur jeweils etwa 80 Prozent der Stimmen.

Für den ausgeschiedenen Günter Dickhausen rückte der Metaller Dietmar Hexel (52) neu in den DGB-Vorstand. Damit ist weiter ein Metaller in der DGB-Spitze vertreten. Die IG Metall hatte dies zur Bedingung für ihre Zustimmung zu Sommers Wahl gemacht. Neben Engelen-Kefer wurden Heinz Putzhammer (61) und Ingrid Sehrbrock (53) in ihren Ämtern bestätigt.

Proletarische Vergangenheit

Mitarbeiter beschreiben Sommer, der am 17. Januar 1952 in Büderich geboren wurde und in Berlin aufwuchs, als durchsetzungsstarken Strategen. Bereits neben seinem Politikstudium in Berlin jobbte er bei der Post und war in der Postgewerkschaft aktiv, die ihm auch seine erste Stelle anbot. 1997 wurde er Vize- Vorsitzender der Postgewerkschaft, die 2001 in der neuen Großgewerkschaft ver.di aufging. Sommer galt als einer der Vordenker bei der Großfusion von fünf Gewerkschaften zu ver.di.

Sommer ist mit einer Journalistin und Autorin verheiratet und hat eine zwölfjährige Tochter. Er kocht gerne und liebt klassische Musik. Entspannung findet der Fan von Hertha BSC und Werder Bremen bei Spaziergängen mit seinem Golden Retriever Paul. Als sein politisches Vorbild nennt er den verstorbenen SPD-Politiker und früheren Bundespräsidenten Gustav Heinemann.