US-Energiebranche Ist Enron überall?

Scheingeschäfte, Kursverfall und Rücktritte am laufenden Band - im Vergleich zu den US-Energiehändlern wirken selbst windige Gebrauchtwagenklitschen als Inbegriff der Seriösität. Letzter Skandal: Der Rücktritt von Dynegy-Chef Chuck Watson.

Houston - Dynegy  steht für Dynamic Energy. Kriminelle Energie? Am Dienstag musste der Chief Executive Officer (CEO) des Konzerns, Chuck Watson, sogenannte "Round-Trip"-Transaktionen, Scheingeschäfte zur Bilanzmanipulation, einräumen und seinen Hut nehmen. Das gleiche Schicksal widerfuhr seinem Kollegen William McCormick von CMS Energy bereits Ende der letzten Woche.

Beide Unternehmen hatten Strom des jeweils anderen bezogen und zum gleichen Preis wieder verkauft, die Handelsbilanzen wurden künstlich aufgebläht. Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Auch die amerikanischen Energieunternehmen Reliant Resources, Duke Energy  und Williams Cos.  haben solche Transaktionen zugegeben.

Kein Wunder also, dass sich die Aktienkurse der Branche im freien Fall befinden. Nachdem Enron  Ende des letzten Jahres die größte Pleite der US-Wirtschaftsgeschichte hingelegt hatte, ist das Vertrauen der Anleger in die Energiebranche nach den neuen Skandalen schwer erschüttert. So hat der Dynegy-Kurs seit Bekanntwerden der Scheingeschäfte um 66 Prozent nachgegeben

"Vertrauen wieder herstellen"

Noch am Anfang des Monats hatte Watson auf der Hauptversammlung den Kursverfall mit der Enron-Krise begründet. Nicht die Dynegy-Performance sei Grund für den Wertverlust, sondern das erschütterte Vertrauen in die Energieindustrie durch den Konkurs des Branchenriesens. An dessen Übernahmne war der Dyvegy-Chef noch im November 2001 interessiert.

Die Nachfolge des seit 1989 amtierenden Watson treten übergangsweise Glenn Tilton als Chairman und Daniel Dienstbier als CEO an. Tilton ist Vize-Chairman des Energiekonzerns Chevron Texaco , der mit knapp 27 Prozent an Dynegy beteiligt ist, Interims-Chef Dienstbier bekleidet die Position des Präsidenten von Northern Natural Gas. Bereits am Freitag wurde der ehemalige Ford-Manager Kenneth Whipple zum Chef von CMS Energy bestellt.

Die Börse reagierte positiv auf den Personalwechsel bei Dynegy. Die Aktie stieg um über acht Prozent auf 10 Dollar. Der langjährige Präsident und Chief Operating Officer (COO) Stephen Bergstrom, der in seinem Amt verweilen wird, nannte als wichtigstes Ziel, "das Vertrauen in die Industrie wieder herzustellen".

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