Polen Auf der Euphorie-Welle

Hohe Arbeitslosenzahlen und geringes Wachstum - trotzdem hat es Polen nach langer Zeit mal wieder in die WM-Endrunde geschafft.

Glaubt man der Investmentbank Goldman Sachs, stehen der Erfolg der Polen auf dem Rasen und deren Wirtschaftspolitik im engen Verhältnis. Demnach waren die Polen im Rahmen der Transition vom Sozialismus zur Marktwirtschaft besonders um die Musterschülerrolle bemüht. Konsequent setzten die Verantwortlichen eine strikte Geldpolitik durch und senkten die Inflationsrate schnell auf EU-Niveau.

Schnell sank dafür aber auch das Wachstum und genauso schnell stiegen die Arbeitslosenzahlen. Laut Goldman Sachs nutzte die Jugend das Plus an Freizeit und spielte vermehrt Fußball.

Derweil suchten die altgedienten Profis ihr Glück im Ausland, so dass der Nachwuchs in der heimischen Liga zum Einsatz kam. Die Folge: Erstmals seit 1986 spielt Polen wieder bei einer WM mit.

Die Team-Performance

"Die Euphorie in Polen ist riesig. Alle vergleichen uns mit dem Team von 1974", berichtet der Schalker und polnische Nationalspieler Tomasz Waldoch stolz. Kampfkraft, Siegeswille und vor allem Teamgeist zählt der 30-Jährige als Pluspunkte seiner Mannschaft auf: "Gute Einzelspieler hatte Polen schon immer, aber jetzt sind wir ein wirkliches Team ohne große Stars." Da in der polnischen Auswahl tatsächlich namhafte Stars fehlen, bemühen sich die einheimischen Medien geradezu krampfhaft, sie zu schaffen.

Emmanuel Olisadebe beispielsweise. Der Nigerianer, der vor zwei Jahren einen polnischen Pass erhielt und mit seinen acht Toren in der Qualifikation maßgeblich zur WM-Teilnahme beitrug, wird von Interview zu Interview, von Foto-Shooting zu Foto-Shooting gereicht. "Aber er bleibt auf dem Teppich, er sieht sich nicht als Star", sagt Waldoch über den Stürmer des griechischen Spitzenclubs Panathinaikos Athen.

Die souveräne Qualifikation hat die Polen selbstbewusst gemacht. Waldoch sagt: "Ich gehe davon aus, dass wir weit kommen." Wie weit? "Titelkandidat sind wir nicht, das ist klar. Aber vielleicht ein Geheimtipp. Viele werden uns unterschätzen."

Teilnahmen und Titel

WM-Teilnahmen:
1938, 1974, 1978, 1982, 1986, 2002

WM-Titel:
Halbfinalist 1974, 1982

Der WM-Kader

Der WM-Kader

Trainer: Wladyslaw Jerzy Engel

Tor:
1 Jerzy Dudek (FC Liverpool, ENG) 23.03.1973
12 Radoslaw Majdan (Göztepe Izmir, TUR) 10.05.1972
22 Adam Matysek (RKS Radomsko) 19.07.1968


Abwehr:
4 Michal Zewlakow (Excelsior Mouscron, BEL) 24.04.1976
15 Tomasz Waldoch (FC Schalke 04, GER) 10.05.1971
3 Jacek Zielinski (Legia Warschau) 10.10.1967
20 Jacek Bak (RC Lens, FRA) 24.03.1973
6 Tomasz Hajto (FC Schalke 04 GER) 16.10.1972
2 Tomasz Klos (1. FC Kaiserslautern, GER) 07.03.1973
13 Arkadiusz Glowacki (Wisla Krakau) 13.03.1979


Mittelfeld:
21 Marek Kozminski (Ancona Calcio, ITA) 07.02.1971
5 Tomasz Rzasa (Feyenoord Rotterdam, NED) 11.03.1973
18 Jacek Krzynowek (1. FC Nürnberg, GER) 15.05.1976
10 Radoslaw Kaluzny (Energie Cottbus, GER) 02.02.1974
17 Arkadiusz Bak (Widzew Lodz) 06.10.1974
7 Piotr Swierczewski (Olympique Marseille, FRA) 08.04.1972
16 Maciej Murawski (Legia Warschau) 20.02.1974
23 Pawel Sibik (Odra Wodzislaw) 15.02.1971


Angriff:
11 Emmanuel Olisadebe (Panathinaikos Athen, GRE) 22.12.1978
9 Pawel Kryszalowicz (Eintracht Frankfurt, GER) 23.06.1974
19 Maciej Zurawski (Wisla Krakau) 12.09.1976
14 Marcin Zewlakow (Excelsior Mouscron) BEL 24.04.1976
8 Cezary Kucharski (Legia Warschau) 17.02.1972


Portugal: Die goldene Generation


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