Deutschland Kleine Brötchen backen

Ziel: Viertelfinale. Noch nie waren die Erwartungen so gering - an die Nationalmannschaft und an die wirtschaftliche Entwicklung.

Laut Goldman Sachs zählt Deutschland zu jenen Ländern, bei denen die Korrelation zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und der Leistung der Nationalmannschaft deutlich zu Tage tritt. Im Falle der Bundesrepublik allerdings im negativen Sinne.

Schlusslicht in Europa, düstere Aussichten auf dem Arbeitsmarkt und Teuro-Debatte - hierzulande ist nicht nur nach Meinung externer Beobachter Sand im Getriebe. Allerdings hellt sich die Lage zunehmend auf. Der Aufschwung in den USA sollte auch der deutschen Konjunktur auf die Beine helfen. Privater Konsum wird wieder anziehen, sobald die Debatte um die verteuernde Wirkung des Euro beendet ist.

Auf jeden Fall passt die angespannte Situation gut zur Verfassung der deutschen Nationalmannschaft, denn auch dort üben sich die Verantwortlichen in Hinsicht auf das WM-Turnier im Backen von kleinen Brötchen.

Die Team-Performance

Die Team-Performance

Sie wurde dreimal Welt- und Europameister. Doch erstmals seit 1958 gehört die deutsche Nationalmannschaft bei einer Weltmeisterschaft nicht zum Favoritenkreis. Der einstige Turniergigant gilt trotz des jüngsten Aufwärtstrends nur noch als Außenseiter.

Die veränderte Erwartungshaltung brachte Gerhard Mayer-Vorfelder auf den Punkt. "Wenn wir ins Viertelfinale einziehen, würde ich das als Erfolg bewerten", sagte der DFB-Präsident. Das sind ganz neue Töne. Denn ein K.o. in der Runde der letzten Acht hatte zuletzt bei den WM-Endrunden 1994 in den USA (1:2 gegen Bulgarien) und 1998 in Frankreich (0:3 gegen Kroatien) für einen Aufschrei der Entrüstung in ganz Fußball-Deutschland gesorgt und den heftig kritisierten Bundestrainer Berti Vogts schließlich im Herbst 1998 den Job gekostet.

Nur das Viertelfinale bei einer WM war mit dem deutschen Fußball-Selbstverständnis früher nicht vereinbar. Immerhin ist nur Brasilien mit vier Titeln bei WM-Turnieren erfolgreicher als Deutschland.

Inzwischen lösen die Deutschen bei der Konkurrenz längst keine Angstzustände mehr aus. Die größten Sorgen bereitet Völler der Angriff, in dem ein zuverlässiger Tor-Garant im Gegensatz zu früheren Glanzzeiten fehlt.

Unumstrittene Leitfigur und einziger Spieler von Weltruf ist der neue Kapitän und Torhüter Oliver Kahn. Doch auch Mittelfeldspieler Michael Ballack traut Völler nach einer sehr guten Saison bei Bayer 04 Leverkusen und in der Nationalmannschaft eine Hauptrolle bei seiner ersten WM-Teilnahme zu.

Teilnahmen und Titel

Der WM-Kader

WM-Teilnahmen:
1934, 1938, 1954, 1958, 1962, 1966, 1970, 1978, 1982, 1986, 1990, 1994, 1998, 2002


WM-Titel:
Weltmeister 1954, 1974, 1990
Vize-Meister 1966, 1982, 1986
Halbfinalist 1934, 1958, 1970

Gastgeber: 1974 Der WM-Kader

Trainer: Rudi Völler

Tor:
1 Oliver Kahn (Bayern München) 15.06.1969
12 Jens Lehmann (Borussia Dortmund) 10.11.1969
23 Hans-Jörg Butt (Bayer Leverkusen) 28.05.1974


Abwehr:
4 Frank Baumann (Werder Bremen) 29.10.1975
15 Sebastian Kehl (Borussia Dortmund) 13.02.1980
6 Christian Ziege (Tottenham Hotspur, ENG) 01.02.1972
2 Thomas Linke (Bayern München) 26.12.1969
21 Christoph Metzelder (Borussia Dortmund) 05.11.1980
3 Marko Rehmer (Hertha BSC) 29.04.1972
18 Jörg Böhme (FC Schalke 04) 22.01.1974


Mittelfeld:
13 Michael Ballack (Bayer Leverkusen) 26.09.1976
16 Jens Jeremies (Bayern München) 05.03.1974
19 Bernd Schneider (Bayer Leverkusen) 17.11.1973
5 Carsten Ramelow (Bayer Leverkusen) 20.03.1974
8 Dietmar Hamann (FC Liverpool, ENG) 27.08.1973
22 Torsten Frings (Werder Bremen) 22.11.1976
10 Lars Ricken (Borussia Dortmund) 10.07.1976


Angriff:
11 Miroslav Klose (1. FC Kaiserslautern) 09.06.1978
9 Carsten Jancker (Bayern München) 28.08.1974
14 Gerald Asamoah (FC Schalke 04) 03.10.1978
20 Oliver Bierhoff (AS Monaco, FRAU) 01.05.1968
17 Marco Bode (Werder Bremen) 23.07.1969
7 Oliver Neuville (Bayer Leverkusen) 01.05.1973


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