Brasilien Sekt oder Selters

In der WM-Qualifikation taten sich die Brasilianer ungewöhnlich schwer. Umso höher sind die Erwartungen bei der Endrunde. Zumindest wirtschaftlich läuft es derzeit rund.

Fußball und Wirtschaft schätzen die Brasilianer momentan ähnlich ein: Weder vom einen noch vom anderen werden große Sprünge erwartet. Die Nationalmannschaft hat sich in der WM-Qualifikation schwer getan und die Ökonomie leidet noch an der enttäuschenden Entwicklung in 2001.

Was ihre Volkswirtschaft angeht könnten die Brasilianer etwas optimistischer sein, denn die erholt sich zusehends. Anfallende Überschüsse im Haushalt und die strikte Geldpolitik deuten daraufhin. Die industrielle Produktion hat ihren Tiefstand im vierten Quartal 2001 erreicht, die Steigerung des Bruttoinlandproduktes könnte zum Jahresende bei drei Prozent liegen und der Außenhandelsüberschuss wächst 2002 auf vier Milliarden Dollar.

Brasilien hat seine wirtschaftliche Talsohle offenbar durchschritten. Die spannende Frage ist, ob sich die verhaltene Zuversicht jetzt auch auf die Mannschaft um Super-Star Ronaldo überträgt.

Die Team-Performance

Die Team-Performance

Für Brasilien geht es wie bei jeder WM-Endrunde um Alles oder Nichts. "Schon ein zweiter Platz würde bei uns als Blamage gewertet", sagte der frühere Mittelfeldstar Tostao. Roberto Carlos von Real Madrid weiß deshalb, was die "Selecao" dem fußballverrückten 170-Millionen-Volk schuldig ist: "Ich bin sicher: Wir holen den fünften WM-Titel."

Anlass zu Optimismus besteht indes kaum. Zwar haben die Brasilianer mit Cafu, Rivaldo, Emerson und Co. wohl die besten Einzelspieler der Welt. "Ein Team gibt es aber zwei Monate vor WM-Start noch nicht", hegt die Zeitung "Folha de Sao Paulo" nicht zu Unrecht Befürchtungen, dass der Juni die Brasilianer womöglich unglücklich machen wird.

Trainerstuhl als Schleudersitz

Bereits in der Qualifikation strauchelte der Vizeweltmeister, der 1998 Gastgeber Frankreich im Finale 0:3 unterlag, mehrfach. Der Trainerstuhl wurde in den letzten vier Jahren zum Schleudersitz, auf dem insgesamt vier Männer (Wanderley Luxemburgo, Candinho, Emerson Leao und Luiz Scolari) Platz nahmen.

Der vorerst letzte, Scolari, schaffte immerhin die Qualifikation und wird die Mannschaft während der Weltmeisterschaft betreuen. Der 53-Jähjrige wurde allerdings von den brasilianischen Medien des "Brutalo-Fußballs" bezichtigt. Sogar die Statistik gibt den Kritikern der augenblicklichen brasilianischen Nationalmannschaft recht: Sage und schreibe 55 Fouls werden derzeit pro Partie in der brasilianischen Liga gezählt.

Teilnahmen und Titel

Der WM-Kader

WM-Teilnahmen:
Alle Turniere seit 1930


WM-Titel:
Weltmeister 1958, 1962, 1970, 1994
Vize-Meister 1950, 1998
Halbfinalist 1938, 1974, 1978

Gastgeber 1950 Der WM-Kader

Trainer: Luiz Felipe Scolari

Tor:
1 Marcos (Palmeiras Sao Paulo) 04.08.1973
22 Rogerio Ceni (FC Sao Paulo) 22.01.1973
12 Dida (Corinthians Sao Paulo) 07.10.1973


Abwehr:
3 Lucio (Bayer Leverkusen, GER) 08.05.1978
2 Cafu (AS Rom, ITA) 07.06.1970
6 Roberto Carlos (Real Madrid, ESP) 10.04.1973
16 Junior (AC Parma, ITA) 20.06.1973
4 Roque Junior (AC Mailand, ITA) 31.08.1976
5 Edmilson (Olympique Lyon, FRA) 10.07.1976
14 Anderson Polga (Gremio Porto Alegre) 09.02.1979
13 Belletti (FC Sao Paulo) 20.06.1976


Mittelfeld:
7 Emerson (AS Rom, ITA) 04.04.1976
10 Rivaldo (FC Barcelona, ESP) 19.04.1972
18 Vampeta (Corinthians Sao Paulo) 13.03.1974
15 Kleberson (Atl. Paranaense Curitiba) 19.06.1979
8 Gilberto Silva (Atletico Mineiro) 07.10.1976
19 Juninho Paulista (Flamengo Rio de Janeiro) 22.02.1973
11 Ronaldinho (Paris St. Germain) FRA 21.03.1980


Angriff:
23 Kaka (FC Sao Paulo) 22.04.1982
17 Denilson (Betis Sevilla, ESP) 24.08.1977
9 Ronaldo (Inter Mailand, ITA) 22.09.1976
21 Luizao (Gremio Porto Alegre) 14.11.1975
20 Edilson (Cruzeiro Belo Horizonte) 17.09.1970


China: Premiere vor der Haustür


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