Biotech-Karriere Gesuchte Spezies

Naturwissenschaftler mit Kaufmannsdenke sind in Biotech-Unternehmen heiß begehrt. manager-magazin.de zeigt, wie Sie sich auf die Managementkarriere in der Boombranche vorbereiten können.
Von Michael Leitl und Stefan Raulf

Hamburg - "Ich weiß nicht mehr, wo ich die Leute für das Business Development hernehmen soll." So ein Stoßseufzer aus dem Munde eines Headhunters ist selten. Doch die Nachfrage nach qualifizierten Wissenschaftlern mit kaufmännischer Expertise ist in der Biotech-Branche ungewöhnlich hoch. So hoch, dass sogar Headhunter ins Schwitzen kommen und die Biotech-Firmen hohe Gehälter hinblättern (siehe: "Was die Biotech-Branche zahlt").

Die Karrierechancen sind atemberaubend für angehende Biologen, Chemiker oder Mediziner, die neben einer Promotion und möglichst fließenden Englischkenntnissen auch kaufmännische Fähigkeiten mitbringen. Verhandlungsgeschick, Rechtskenntnis, Erfahrung im Projektmanagement - das sind die wichtigsten Fertigkeiten. Und damit beginnt das Problem. Eine Ausbildung für die speziellen Anforderungen im Biotech-Management gibt es nicht.

Knackpunkt kaufmännisches Wissen

Eigene Studiengänge für Biotechnologie existieren zwar bereits seit einigen Jahren, kaufmännisches Wissen wird aber auch dort in den seltensten Fällen gelehrt. So müssen angehende Biotech-Manager sich ihr Wissen selbst organisieren. Wer Lust an Vertrieb, Kundenkontakt, Unternehmertum verspürt, sollte sich frühzeitig mit diesen Gebieten vertraut machen.

Etwa durch ein wirtschaftsorientiertes Aufbaustudium. Wie Nicola Hennenberg. Die promovierte Biologin ist heute Leiterin der Abteilung Business Development bei Medigene in München. Ihr war am Ende des Biologiestudiums klar, dass sie keine wissenschaftliche Karriere machen wollte. Also studierte sie während der Promotion an der Export-Akademie im baden-württembergischen Reutlingen Betriebswirtschaft. Das verschaffte ihr den Einstieg in die kaufmännische Seite der Branche.

Eine Promotion ist inzwischen nicht mehr durchgehend erforderlich. Beispiele aus der Praxis zeigen, dass es auch anders geht. Etwa durch ein Studium an einer Fachhochschule und der Kombination mit einem Fernstudiengang während des ersten Jobs.

Praxisbezug - das A und O

Hier bieten sich wiederum die Studiengänge mit Biotech-Schwerpunkt an. Viele sind bereits nach dem angelsächsischen Bachelor- und Mastersystem aufgebaut. Sie bieten eine Ausbildung, die sich speziell mit den Anforderungen in der neuen Branche auseinandersetzt. Sie dauern in der Regel aber längstens sieben Semester und bieten so eher den zeitlichen Rahmen, für einen kaufmännischen Aufbaustudiengang.

Um frühzeitig einen Fuß in die Tür der Biotech-Firmen zu bekommen, lohnen sich generell Praktika in der Industrie. Wer an Fachhochschulen studiert, hat den Vorteil, gleich zweimal ein halbes Jahr in der Branche arbeiten zu können. Diese Praktika, so empfehlen es die Personalchefs der Biotech-Firmen, sollten direkt in Abteilungen wie Business Development, Marketing, Vertrieb oder Produktlizenzierung absolviert werden. Vor allem in den USA ist dieser Weg üblich.

Viele Wissenschaftler wählen – oft aus Mangel an anderen Alternativen – als Berufseinstieg den Job des Pharmareferenten. Das Wissen um Verkaufsstrategien und Verhandlungstricks können sie nach einigen Jahren Berufserfahrung wiederum als Basis für den Einstieg in interessante Biotech-Jobs nutzen.

Karrieresprungbrett USA

Beste Aussichten haben allerdings Wissenschaftler, die ihr Handwerkszeug in den USA lernen – und nach Deutschland zurückkehren. In Amerika ist die Biotech-Branche wesentlich weiterentwickelt. Entsprechend größer sind die Unternehmen und damit auch die Abteilungen für Business Development, Marketing, Vertrieb oder Lizenzierung. Wer bei solchen Firmen lernt, ist für den Arbeitsmarkt in Deutschland wertvoll – und wird entsprechend gut bezahlt.

Bei allen Zukunftschancen birgt die Arbeit in der Biotech-Branche natürlich auch Risiken. Der Arbeitsplatz ist häufig unsicher und hängt ab von der Geduld der Risikokapitalgeber. Der Molekularbiologe Rainer Metzger, selbst Gründer und Vorstand eines Biotech-Unternehmens, rät Einsteigern in die Biotech-Szene zum akribischen Firmencheck. Hat die Firma ein gutes Standing in der Branche? Hat sie schon marktreife Produkte und gute Patente?

Ansonsten steigt das Risiko, bei anfangs eher schlechter Bezahlung. Der Lohn der Mühe kann jedoch hoch sein: Wer mit der Firma wächst, steht bei späterem Erfolg des Unternehmens ganz oben.

Übersicht: 15 Studiengänge mit Biotech-Schwerpunkt


Biotech-Karriere

Wie sich Naturwissenschaftler auf einen Job im Management von Biotech-Firmen vorbereiten können

Übersicht: 15 Studiengänge mit Biotech-Schwerpunkt Hintergrund: Handy statt Pipette  Gehälter: Was die Biotech-Branche zahlt Stichwort: So arbeiten Business Developer


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