Gazprom Wegtreten, Genosse Wjachirew!

Eine der schillerndsten Figuren des von Intrigen und Korruption geschüttelten russischen Energiegiganten nimmt seinen Hut. Der letzte Held der Arbeit geht.

Moskau - Die umstrittene langjährige Führungsfigur beim russischen Gaskonzern Gazprom  , Rem Wjachirew, hat den Rückzug vom Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden angekündigt. Er werde bei der kommenden Hauptversammlung am 28. Juni nicht mehr für das Gremium kandidieren, kündigte Wjachirew (67) am Montagabend bei einer Aufsichtsratssitzung in Moskau an.

Bereits am 30. Mai 2001 hatte der Kreml Wjachirews Wechsel vom Amt des Vorstandsvorsitzenden, das er seit 1992 inne hatte, in den Aufsichtsrat erzwungen. Der russische Staat als Großaktionär legte ihm zur Last, seiner Familie und anderen Getreuen einen Teil der Gazprom-Ressourcen zu lukrativen Geschäften zugeschanzt zu haben. Vorstandsvorsitzender ist seitdem Alexej Miller, ein Gefolgsmann von Präsident Wladimir Putin.

Vom Hilfsmeister zum Vorstand

Seine Berufslaufbahn begann Wjachirew 1956 bei der Öl- und Gasförderungsverwaltung "Bogatowskoel" in Samara, für die er zunächst als Hilfsmeister, später als Meister, als Werksdirektor und schließlich als stellvertretender Leiter tätig war. 1986 rückte er zum Ersten Stellvertreter des Ministers für die UdSSR-Gasindustrie, Wiktor Tschernomyrdin, auf. 1993 übernahm er als Nachfolger von Tschernomyrdin, der zum Premierminister ernannt worden war, den Vorstandsvorsitz der als Aktiengesellschaft privatisierten Holding RAO Gazprom, die aus dem Gasministerium hervorgegangen war und über fast 40 Tochterunternehmen verfügte.

Korruption und Vetternwirtschaft

Bei der Wahl des neuen Aufsichtsrats im Juni 2000 verschoben sich die Machtverhältnisse des leitenden Gazprom-Gremiums. An deren Spitze wurde der Putin-Vertraute und Vizechef der Kremlverwaltung Dmitrij Medwedjew gewählt.

Korruption und Vetternwirtschaft

Im Frühjahr 2001 wurde ruchbar, dass viele Gazprom-Manager den Konzern als Selbstbedienungsladen betrachteten, mittels Tarnfirmen illegal Gazpromanteile transferierten und sich über Beteiligungen und Tochterfirmen zum Schaden von Gazprom bereicherten.

Das Unternehmen büßte durch Korruption und Vetternwirtschaft jährlich zwei bis drei Milliarden Dollar ein. Unter anderem wurde bekannt, dass die lukrativen Baufirma Stroitransgas, die für Gazprom fast alle Erdgasleitungen legt, zur Hälfte im Besitz von hohen Gazprom-Managern oder deren Angehörigen ist. Wjachirew selbst konnte keine Verfehlung nachgewiesen werden.

Positives Zeichen

Wjachirews Rückzug sei ein positives Zeichen, erklärte Boris Fjodorow, Vertreter der Kleinaktionäre bei Gazprom. "Es zeigt, dass die Verbindungen an die Vergangenheit abgeschnitten werden", sagte Fjodorow der englischsprachigen Zeitung "Moscow Times". Der früherer Finanzminister hatte schon in der Vergangenheit scharfe Kritik an den undurchsichtigen Geschäftspraktiken des Konzerns geübt und mehrfach eine unabhängige Prüfung der Bücher gefordert.

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