Ford Weiser Greis

Beim US-Autokonzern wird nach dem schmerzhaften Reitzle-Abgang das Management komplett umgebaut. Spektakulärste Änderung: Der frühere Ford-Manager Allan Gilmour besetzt nach fünf Jahren Rente erneut den Posten des Finanzchefs.

Dearborn - Der US-Autokonzern Ford  treibt seinen Umbau mit tief greifenden Änderungen im Spitzenmanagement voran. Unter anderem wurde der frühere Vize-Vorsitzende des Verwaltungsrats und Finanzchef Allan Gilmour (67) aus dem Ruhestand geholt. Er soll wieder Finanzchef und stellvertretender Leiter des Ford-Aufsichtsgremiums werden.

Der bisherige Finanzchef Martin Inglis wurde mit sofortiger Wirkung zum Vizepräsidenten für Geschäftsstrategie ernannt und ist auch für Unternehmenskäufe und Fusionen sowie den Autovermieter Hertz zuständig. Der bisherige Europa-Chef David Thursfield soll in Zukunft die internationalen Operationen und den Einkauf des zweitgrößten Autokonzerns der Welt leiten.

Kritischer Geist in harten Zeiten

Gilmour habe dem Unternehmen "in harten Zeiten gedient", hieß es. Er bringe kritische Kenntnisse ein und solle bei der Umsetzung der Pläne helfen, erklärte Konzernchef Ford. Gilmour war 1995 nach 34 Jahren bei Ford ausgeschieden. Er besitzt Ford- und Chrysler-Betriebe und ist Mitglied in mehreren Verwaltungsräten großer US-Unternehmen, darunter Dow Chemical und Whirlpool.

Änderungen nach dem Reitzle-Abgang

Thursfield hatte sich bei der Ford of Europe mit einer raschen geschäftlichen und finanziellen Wende verdient gemacht. Er war im August 2001 Europa-Chef geworden. Er beaufsichtigt von der Konzernzentrale in Dearborn aus die Ford-Operationen in Europa, Lateinamerika und Asien sowie die globalen Einkauf. Thursfield bleibt Verwaltungsratsvorsitzender und Chef der Ford of Europe.

Leach Präsident der europäischen Ford-Tochter

Martin Leach, der bisherige Leiter der Produktentwicklung, wird Präsident der europäischen Ford-Tochter und wird damit die dortigen Tagesgeschäfte leiten. Derrick Kuzak übernimmt als Vizepräsident die Produktentwicklung.

Zuletzt war auch ein Wechsel des früheren BMW-Managers Wolfgang Reitzle im Zuge der Neuordnung in eine führende Position in der Konzernzentrale im Gespräch. Reitzle, der die Ford-Luxussparte PAG leitete, lehnte dies jedoch ab und ging zum deutschen Anlagenbauer Linde. Der 53-jährige deutsche Manager war 1999 von BMW  zu Ford gekommen. Seinen Posten übernahm Mark Fields, ehemaliger Chef bei der japanischen Ford-Tochter Madzda.

Umstrukturierungen

Ford hatte im vergangenen Jahr Konzernchef Jacques Nasser durch Bill Ford abgelöst und hatte dann Nick Scheele zum Präsidenten gemacht. Scheele leitet die Tagesgeschäfte des Unternehmens. Ford war durch das Firestone-Reifen-Debakel, Absatzeinbußen und Qualitätsprobleme unter Druck geraten. General Motors sowie die japanischen, südkoreanischen und europäischen Anbieter machen Ford ebenfalls zu schaffen.

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