Jürgen Höller Die Rückkehr des Großmotivators

Der ehemalige Berater von Christoph Daum brillierte als Motivationsguru und dilettierte als Unternehmer. Jetzt ist der gefallene Engel wieder im Geschäft.

Hamburg - Der 38-jährige Motivationstrainer, der sich selbst als "erfolgreichster und teuerster Trainer Europas" bezeichnete, ist in sein Metier zurückgekehrt. Am Samstag will er in Schweinfurt die Your Life Direktvertriebs GmbH vorstellen.

In der Einladung wirbt der Motivationsguru, der an dem Unternehmen nach Firmenangaben nicht beteiligt ist, mit der Vision "bezahlbare Fortbildung für jedermann". Jedem Teilnehmer verspricht Möller "von Anfang an hohe Umsätze und Provisionen" und ein "sehr interessantes Zusatzeinkommen".

So viel nach außen getragenes Selbstbewusstsein kann nur ein Motivationstrainer wie Höller haben. Erst vor wenigen Monaten musste er, der Tausenden seine Rezepte für wirtschaftlichen Erfolg predigte, für sein Aus- und Fortbildungsunternehmen Inline AG Insolvenz anmelden.

Ermittlungsverfahren nach Firmen-Pleite

Ärgerlich für alle, die sich von ihm zu einem Kauf seiner Aktie motivieren liessen. Geködert hatte "Mr. Motivation" seine Anteilseigner unter anderem mit der Verheißung, die Inline AG werde im Jahr 2014 eine Milliarde Umsatz machen.

Nach dem Scheitern interessiert sich auch die Staatsanwaltschaft für Höllers AG-Aktivitäten. Anfang des Jahres sagte Peter Schauff, Leitender Oberstaatsanwalt in Würzburg, gegenüber der TV-Sendung "Report": "Die Staatsanwaltschaft Würzburg führt ein Ermittlungsverfahren gegen Herrn Höller wegen des Verdachts der verspäteten Insolvenzantragsstellung. Es handelt sich hier um einen Straftatbestand, der im Aktiengesetz geregelt ist - mit einer Strafdrohung bis zu drei Jahren."

Außerdem, so Schauff, müsse man sich mit der Frage auseinandersetzen, ob Höller möglicherweise Untreue oder Betrug vorzuwerfen sei, denn "falls die Anleger über die Risiken ihrer Anlage getäuscht wurden, können auch diese Tatbestände erfüllt sein. Hier steht eine Strafdrohung von jeweils fünf Jahren im Raum."

"Hallo Jürgen, stimmt das mit dem Konkurs?"

Daum und der Traumfußball

Einer von Höllers bekanntesten Anhängern: Christoph Daum. Im Januar 2000 leitet der Schweinfurter drei Tage lang die Leverkusener Kicker zur gezielten Selbstüberschätzung an. Danach spielen die Werkskicker "Traumfußball".

"Ich weiß, wie man Erfolg produziert", behauptete Höller. Auf seinen Massenhappenings hopste der gelernte Speditionskaufmann - begleitet von Discosound und Lightshow - auf der Bühne herum, warf bunte Bälle in die Luft und hämmerte den Teilnehmern seine Botschaft ein: Alles ist möglich. Du musst nur daran glauben. Doch dann kam alles anders. Seit Dezember ist die Inline AG pleite.

"Hallo Jürgen, stimmt das mit dem Konkurs?"

Überraschend kam die Insolvenz nicht, eher überraschend spät. "Hallo Jürgen, da ich Aktionär bin, mach ich mir langsam Sorgen. Stimmt das mit dem Konkurs?", schrieb Peter Müller bereits am 8. Juli 2000 in Höllers Gästebuch im Internet.

Rund neun Millionen Euro hat CEO Höller verspielt. Fünf Millionen Euro investierte der Wagniskapitalgeber TFG Venture Capital in die Inline AG. Etwa 2,3 Millionen Euro haben rund 270 Inline-Fans als vorbörsliche Zeichner in das Unternehmen gesteckt, und etwa 1,6 Millionen Euro betragen die Außenstände an Lieferanten, Dienstleister, Handwerker.

Jetzt ist Höller zurück. Insgesamt 50.000 Menschen sollen es dank seiner Hilfe geschafft haben, über frisch gestoßenes Glas zu gehen. Das verhalf selbigen für Momente zu großem Glück und Selbstbewusstsein. Ob die Kraft der Höllerschen Suggestion auch der Your Life Direktvertriebs GmbH zum Erfolg verhilft, wird sich erst in Zukunft zeigen müssen.

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