Wahlkampf Späth als Wirtschafts-Wunderwaffe

Jetzt ist es offiziell: Lothar Späth ist als Wirtschaftsfachmann des Stoiber-Teams vorgestellt worden. Im Falle eines Wahlsieges soll er Superminister werden - sehr zum Ärger der FDP.

Berlin - Am Montag haben die Vorsitzenden der Unions-Parteien ihr neues Trumpf-Ass im Kampf um das Kanzleramt vorgestellt. Lothar Späth soll als wirtschaftspolitische Allzweckwaffe die Kompetenz der Union auf diesem Gebiet unterstreichen. Im Falle eines Wahlsieges würde der amtierende Jenoptik-Chef ein Superministerium leiten, in dem die Bereiche Wirtschaft, Arbeit und Aufbau Ost gebündelt würden.

Stoiber und Merkel zeigten sich hocherfreut, Späth zu einem erneuten politischen Engagement überredet zu haben. Als ehemaliger Ministerpräsident vom "Musterländle" Baden-Württemberg und jetziger Chef des ostdeutschen Vorzeigeunternehmnes Jenoptik  stünde er wie kein zweiter für erfolgreiche Wirtschaftspolitik in Ost und West.

Das Objekt der Begierde selbst gestand, dass der mögliche neue Job "eigentlich nicht in seine Lebensplanung gepasst" habe. Letztendlich habe er sich überzeugen lassen, da seine Nachfolge bei Jenoptik geregelt sei und der neue Zuschnitt des anvisierten Ministeriums eine Menge Gestaltungsmöglichkeiten biete.

Blattschuss für die FDP

Weniger Begeisterung rief die Personalie bei dem potenziellen Koalitionspartner, der FDP, hervor: Der stellvertretende Parteivorsitzende Rainer Brüderle hatte zuvor das Wirtschaftsressort im Falle eines Wahlsieges für die FDP beansprucht. Dazu erklärte Stoiber, die Liberalen hätten schließlich auch einen Kanzlerkandidaten, der nie in die Verlegenheit kommen würde, das Amt auszuüben.

Späth war von 1978 bis 1991 Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Dreimal verteidigte er in dieser Zeit die absolute Mehrheit der Landes-CDU . Im Januar 1991 trat er wegen des Vorwurfs zurück, er habe sich von Firmen zu Luxus-Reisen einladen lassen. Allerdings konnte weder die Staatsanwaltschaft noch ein Untersuchungsausschuss des Landtages dem CDU-Mann eine Schuld nachweisen.

Noch im selben Jahr wurde Späth Berater der thüringischen Landesregierung für das marode ehemalige DDR-Kombinat VEB Carl Zeiss. 1998 führte er das sanierte Unternehmen als Vorstandsvorsitzender an die Börse. Erst kürzlich regelte Späth seine Nachfolge. Im Juni 2003 wird er den Vorstandsvorsitz an Alexander von Witzleben abgeben und selbst an die Spitze des Aufsichtsrates wechseln.