Banca Intesa Neuer Chef bei Italiens größter Bank

In Italien hat Corrado Passera den Ruf eines Super-Managers. Jetzt soll er die Flaute des Geldhauses beenden.

Rom - Vor vier Jahren noch galt die italienische Post als Synonym für Langsamkeit, bürokratisches Geklüngel und Schlendrian. Wer damals einen Brief verschicken wollte, wusste nie, wie viele Tage, Wochen oder gar Monate die Korrespondenz zum Empfänger unterwegs sein würde. Dann kam Corrado Passera. Und mit ihm die Revolution im Postwesen. Wer heute an den Schalter geht, ist über die prompte Bedienung entzückt - und die Briefe kommen fast schon in Rekordzeit an.

Jetzt verlässt Passera den "Beamtenladen" - sein neuer Job ist es, Banca Intesa , die größte Bank Italiens, auf Vordermann zu bringen. Nach der Hauptversammlung am 29. und 30. April soll Passera seine neue Stelle antreten.

Die Erwartung an den 47-jährigen Norditaliener ist hoch, die letzte Bilanz der Intesa schlecht. Als vor wenigen Wochen der Wechsel an der Führungsspitze des Instituts bekannt gegeben wurde, reagierte der Markt prompt mit einem rasanten Kursanstieg um 9,6 Prozent. Bank-Präsident Giovanni Bazoli verkündete stolz: "Passera wird als Chief Executive Officer der Hauptverantwortliche im Unternehmen sein." Bisher hatte das Institut mit Lino Benassi und Christian Merle zwei Vorstandschefs.

Während Benassi, der für die schlechten Ergebnisse im Ausland und die geplatzten Riesenkredite an Swissair und Enron verantwortlich gemacht wird, seinen Hut nimmt, ist die Zukunft von Merle bisher unklar. Experten glauben, dass neben Passera kein Platz für einen zweiten Chef sein wird. "Ganz oder gar nicht" scheint sein Lebensmotto zu sein.

Dem an der renommierten Wharton-School in Philadelphia ausgebildeten Manager, der zuvor bereits als Vorstandschef des Banco Ambrosiano Veneto und als Olivetti-Chef tätig war, ist auch im Alleingang keine Aufgabe zu schwierig, mag sie auch noch so unlösbar scheinen.

Das beste Beispiel hierfür ist Passeras Umwandlung der italienischen Post in ein modernes, wettbewerbsfähiges Unternehmen - "eine wahre Meisterleistung", heißt es bis heute in Italien. Passera hat hart auf diese Ergebnisse hingearbeitet und vor allem in Qualität und Ausbildung der Angestellten investiert. "Wenn wir die Menschen, die hier arbeiten, nicht von unserem Projekt überzeugt hätten, wäre dies alles nicht möglich gewesen", sagte er.

Bei der Intesa soll Passera zunächst einmal das internationale Geschäft auf Vordermann bringen. Denn schließlich waren vor allem die extrem hohen Wertberichtigungen auf Engagements in Südamerika für die gravierende Bilanz 2001 verantwortlich, bei denen die Bank einen Absturz des Nettogewinns um 45 Prozent auf 928,2 Millionen Euro hinnehmen musste.