Dienstag, 17. September 2019

Deutsche Bank F. Wilhelm Christians wird 80

Ein Banker als Außenpolitiker - der ehemalige Sprecher und Aufsichtsratschef der Deutschen Bank war immer ein Vermittler zwischen West und Ost.

Friedrich Wilhelm Christians war von 1976 bis 1988 Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank

Hamburg - Während der kommende Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, sich mit der neuen Konzernstruktur eine bis dato nicht gekannte Machtfülle genehmigt, musste sich Friedrich Wilhelm Christians seine Sprecher-Position im Vorstand der Frankfurter noch mit einem weiteren Top-Banker teilen. Von 1976 bis 1985 bildete er mit Wilfried Guth eine Doppelspitze. Nach dessen Wechsel in den Aufsichtsrat stand bis 1988 Alfred Herrhausen an seiner Seite, bis Christians selbst in das Kontrollgremium einzog, dem er schließlich von 1990 bis 1997 vorstand.

Die Ermordung seines Nachfolgers Herrhausen durch die RAF am 30. November 1989 gehörte, geschäftlich wie persönlich, sicherlich zu seinen schwersten Stunden.

1949 hatte der am 1. Mai 1922 in Paderborn geborene Christians seine Karriere bei der Deutschen Bank als eine Art Praktikant begonnen. Eigentlich wollte er sich nur auf eine Laufbahn im diplomatischen Dienst vorbereiten. Hatte der promovierte Jurist doch bei der Arbeit im Parlamentarischen Rat zur Vorbereitung des Grundgesetzes Spaß an der Politik gefunden. Allerdings begeisterte ihn das Bankgeschäft so sehr, dass er bei der Deutschen Bank blieb, die damals noch in zehn Nachfolgeinstitute zersplittert war, die erst 1957 wieder zur Deutschen Bank AG mit Hauptsitz in Frankfurt am Main zusammengeschlossen wurden.

In Königsberg wollte Christians Joint Ventures starten
Sein politisches Engagement legte Christians aber auch als Banker nicht ab. Vor allem die Ost-West-Politik war und ist sein Thema. Ende der sechziger Jahre organisierte er - seit 1965 ordentliches Vorstandsmitglied der Deutschen Bank- ein spektakuläres Tauschgeschäft von Mannesmann-Röhren gegen sowjetisches Erdgas, das von den Frankfurter Bankern finanziert wurde. Als einer der ersten westlichen Wirtschaftsvertreter überhaupt wurde er 1985 von Michael Gorbatschow empfangen und fädelte 1988 einen Kredit über 3,5 Milliarden Mark an die Sowjetunion ein. In seinem 1989 veröffentlichten Buch "Wege nach Russland" entwarf Christians ein Konzept für eine "industrielle Region Kaliningrad (Königsberg)", in der deutsch-sowjetische Gemeinschaftsunternehmen gegründet werden sollten.

Eine Milliarde an Flick verdient

Auch in Bankfragen zeigte Christians "politisches" Geschick. Der Zusammenbruch der Herstatt-Bank fiel in seine Amtszeit als Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB). Unter seiner Regie wurde als Reaktion auf die Krise der Einlagensicherungsfonds ins Leben gerufen.

Bei aller Weitsicht und gesellschaftlichem Engagement ließ Christians die wirtschaftlichen Interessen der Deutschen Bank aber nicht aus den Augen. Der so genannte "Flick-Deal", die Weiterleitung des Vermögens des Milliardärs und Großindustriellen Friedrich Karl Flick in den Jahren 1985/1986, brachte seinem Institut einen Gewinn von mehr als einer Milliarde Mark.

Seitdem Christians 1997 den Vorsitz im Aufsichtsrat der Deutschen Bank an Hilmar Kopper übergab, hat er mehr Zeit, sich seinem Hobby - der Kunst - zu widmen. Noch heute ist er unter anderem im Vorsitz des Vereins Beethoven-Haus in Bonn und im Kuratoriumsvorsitz des Wallraf-Richartz-Museums/Museum Ludwig in Köln.

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