Was macht eigentlich Jochen Holy?

Gemeinsam mit seinem Bruder Uwe machte er aus Hugo Boss eine Modemarke mit Weltgeltung. Aber statt sich nach dem Verkauf des Labels zur Ruhe zu setzen, folgt der bekennende Schwabe seinem Naturell und hätschelt seine neuen Firmen.

Die berühmte Seidenstraße ist Jochen Holy schon oft gefahren - mit dem Finger auf der Karte. Gerade nimmt er den Plan wieder zur Hand. "Da wird der Jeep hingebracht", zeigt er, "dann fährt man so - und da wird das Auto wieder abgeholt."

Alles wäre bestens organisiert. Ein Kölner Reisebüro, Spezialist für Gruppenreisen mit dem eigenen Geländewagen, wartet nur auf Holys Buchung. Allein: "Die Tour dauert den ganzen Mai", seufzt der Umworbene, "so lange kann ich nicht weg."

Jochen Holy hat die typischen Sorgen vieler wohlhabender Menschen. Einerseits die Qual der übergroßen Auswahl. Was könnte er nicht alles unternehmen! Andererseits diese schreckliche Zeitnot. Schließlich ist Holy nicht nur mit einem ansehnlichen Vermögen ausgestattet. Sondern auch mit einer Elefantendosis Arbeitseifer. Schlimmer noch: "Ich bin Schwabe", bekennt Holy, "und ich stehe dazu."

Schaffe, schaffe ...

Also schafft er. Kümmert sich um seine Firmen, an erster Stelle den Bielefelder Bekleidungshersteller Windsor und die Schweizer Herrenmodemarke Strellson, beide zusammen mit etwa 170 Millionen Euro Umsatz. Holy pflegt die geschäftlichen Kontakte, daheim und in aller Welt.

Nur einen Moment lang hatte er mal mit dem Müßiggang geflirtet: Als er und sein Bruder Uwe im März 1993 aus dem Management der Hugo Boss AG ausgestiegen waren; gut drei Jahre zuvor hatten sie ihre Aktienmehrheit verkauft. "Da dachten wir, dass wir uns mehr um unsere Familien und unser Privatleben kümmern", sinnt Jochen Holy.

Dream-Team

Tatsächlich war er danach öfter mit seinem geliebten Mercedes-Geländewagen unterwegs, häufiger auf Skitour. Doch ein Holy taugt nicht zum bequemen Privatier. Das unruhige Leben hatte ihn bald wieder.

Dream-Team

Zu tun gibt es genug. Die Holy-Brüder treiben Windsor und Strellson mit ähnlichem Ehrgeiz voran wie einst Boss. Gewiss, die tägliche Routine erledigen Manager, "aber wir sind sehr aktive Aufsichtsräte und Beiräte", versichert Holy.

Die alte Arbeitsteilung aus Boss-Tagen haben sie beibehalten: Jochen schaut aufs Kreative und aufs Marketing, der anderthalb Jahre ältere Uwe wacht über das Geschäftliche.

Die Brüder sind unzertrennlich, auch wenn sie einander heute seltener begegnen. Uwe ist Metzingen treu geblieben, Jochen hingegen lässt sich nur sporadisch am Heimatort blicken, meist pendelt er zwischen St. Moritz, Bad Wiessee am Tegernsee und München. Doch sie telefonieren täglich, fahren gemeinsam in Urlaub und pflegen, wie Jochen Holy sagt, eine "gesunde Streitkultur", die erst recht zusammenschweißt.

Expansions- und andere Pläne

Gern würden sie expandieren. Windsor fertigt in Lizenz die Herrenausstattung der Marke Joop. Die Brüder liebäugeln damit, die Lizenz vom daniederliegenden Wünsche-Konzern zu kaufen.

60 Jahre ist Holy kürzlich geworden, "leider", sagt er. Er könne sich jetzt fast ausrechnen, wie lange er noch sportlich aktiv sein könne, Joggen, Ski fahren, Tennis spielen, Golfen.

Immerhin: Die Familie macht ihm im reifen Alter mehr Freude denn je. Seine Frau, 15 Jahre jünger, begeistert sich mit ihm für moderne Kunst. Die Kinder, zwei Söhne, eine Tochter, alle in den 20ern, sind wohl geraten, fleißig und - "darauf bin ich stolz" - rauchen nicht.

Ein paar Träume hat er auch noch. Der Blick fällt auf die Landkarte. Ach ja, die Seidenstraße.

Im Profil: Jochen Holy


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