Microsoft "Rocket Rick" stürzt ab

Der Softwarekonzern gibt sich eine neue Managementstruktur. Für Richard Belluzzo ist darin kein Platz mehr, der Präsident muss gehen.

New York/Redmond - Er war die Nummer drei im Haus der Windows hinter Vorstandschef Steve Ballmer sowie Oberaufseher und "Chief Software Architect" Bill Gates. Jetzt räumt Richard Belluzzo seinen Posten. Wie Microsoft  am Mittwoch bekannt gab, werde der bisher als Präsident und Chief Operating Officer (COO) für das Tagesgeschäft zuständige Belluzzo den Konzern am 1. Mai verlassen. Allerdings werde er noch bis September als Berater tätig bleiben, erklärte eine Firmensprecherin.

Künftig will das Unternehmen ohne COO auskommen. Ein Nachfolger für Belluzzo soll nicht benannt werden, was Beobachter als Bestätigung für die Unfähigkeit der Microsoft-Doppelspitze Ballmer/Gates werten, einen starken dritten Vorstand neben sich zu haben.

Mit Belluzzos Ausscheiden erhalten die Chefs der sechs zentralen Geschäftsbereiche von Microsoft, wie etwa Office-Anwendungen oder Betriebssysteme, zugleich größere Verantwortung für ihre Betriebsführung. Zudem werden sie nun Konzernchef Ballmer direkt unterstehen und nicht wie bisher dem Präsidenten.

Vorbereitung für eine eventuelle Aufteilung?

Nach Einschätzung von Marktbeobachtern würde diese Reorganisierung eine Aufteilung des Konzerns in einzelne Unternehmen erleichtern. Dies war im Kartellverfahren gegen den Softwarekonzern in erster Instanz gefordert, von einem Berufungsgericht aber wieder verworfen worden. Nach Angaben von Microsoft steht die Neuorganisation aber in keinem Zusammenhang zu dem immer noch nicht abgeschlossenen Verfahren.

Mit dem 48 Jahre alten Belluzzo scheidet ein Top-Manager aus dem Konzern, der bisher als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge von Ballmer im Amt des Vorstandsvorsitzenden galt.

Raketenhafter Aufstieg bei Hewlett-Packard

Belluzzo kam im September 1999 von Silicon Graphics zu Microsoft und übernahm hier die Verantwortung für das bis dahin wenig erfolgreiche Internetgeschäft. In kurzer Zeit gelang es ihm, den chronisch schwächelnden Web-Dienst MSN zu einem respektablen Angebot aufzubauen und in der Rangliste der US-amerikanischen Portale hinter AOL und Yahoo auf den dritten Platz zu hieven. Im Februar 2001 wurde Belluzzo zum COO ernannt.

Begonnen hatte Belluzzo seine Karriere bei Hewlett-Packard . Unmittelbar nach dem Studium eingestiegen, arbeitete er sich in 23 Jahren bis zum Präsidenten und damit zur Nummer zwei des Drucker-Spezialisten hoch. Mitarbeiter quittierten den eindrucksvollen Aufstieg mit dem Spitznamen "Rocket Rick".

Ob "Rick, die Rakete" noch einmal so steil aufsteigt, bleibt abzuwarten. Ambitionen scheint Belluzzo in jedem Fall zu hegen. Über seine Zukunftspläne ließ er verlauten, dass es jetzt an der Zeit sei, "mein Ziel zu verfolgen, meine eigene Firma zu führen".

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