Donnerstag, 27. Juni 2019

Uhren Gute Werke aus Sachsen

Der Ingenieur und Unternehmer Heinz W. Pfeifer hat die traditionsreiche Zeitmesstechnik im Erzgebirge zu neuem Ruhm geführt. Wie das gelang, erklärt er im mm-Interview.

mm:

Herr Pfeifer, Sie sind gelernter Elektroingenieur. Woher rührt Ihre Begeisterung für die altväterliche Mechanik handgefertigter Uhren?

 "Wohlstand lässt sich nicht diskreter verpacken als in Form einer teuren Uhr." Glashütter-Chef Pfeifer
"Wohlstand lässt sich nicht diskreter verpacken als in Form einer teuren Uhr."
Glashütter-Chef Pfeifer
Pfeifer: Wer einen Beruf hat, der sehr abstrakt ist, und Elektrotechnik ist abstrakt, der sieht keine Abläufe. Die Mechanik dagegen ist sichtbar und dadurch für einen, der sehr abstrakt arbeiten muss, sehr erholsam. Hier habe ich ein Räderwerk, etwas zum Anfassen.

mm: Warum aber gingen Sie nach Glashütte, im hintersten Winkel Sachsens gelegen?

Pfeifer: Zum einen, weil ich eitel bin. Und zwar auf eine höchst subtile Art. Ich bin Uhrensammler, und dieses Interesse hat mich auf den Gedanken gebracht, mal etwas selbst zu machen, anders und vielleicht auch besser als die Uhrenhersteller bisher. Zum anderen wollte ich beim Aufbau Ost mitwirken. Und das konnte ich am ehesten hier tun, indem ich obendrein mein Hobby zum Beruf gemacht habe.

mm: Seit der Übernahme des Glashütter Uhrenbetriebs 1994 von der Treuhand haben Sie - entgegen der allgemeinen Entwicklung im Osten - mit der Manufaktur Erfolge eingefahren, die von aller Welt bestaunt wurden. Verraten Sie uns Ihr Geheimnis?

Pfeifer: Kein Geheimnis, es gibt nur eine funktionelle Logik. Ich wusste: Es gibt keine Lücke im Markt, keiner hat auf uns gewartet. Wunderbare Uhren, wunderbare Marken gibt es en masse. Und doch findet sich immer wieder eine Nische. In unserem Fall hieß das Thema: Uhr made in Germany. Bis dahin kam jede gute Uhr selbstredend aus der Schweiz. Zu Hilfe kam uns dabei etwas ganz Mysteriöses: Es gibt ein paar Produkte, die ein Käufer nur ganz bestimmten Ländern zutraut, und das trifft bei Uhren auf Deutschland zu.

mm: Gleich zweimal hintereinander - 2000 und 2001 - wurden Stücke aus Ihrer Manufaktur zur Uhr des Jahres gekürt. Eine Verführung zu Hochmut?

Pfeifer: Ich bin weit entfernt, dies überzubewerten. Ich betrachte eine solche Auszeichnung als ein weiteres kleines Mosaiksteinchen in der Wertschätzung, die wir genießen.

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