Aussteiger Kaltgestellt

Philipp Humms Abschied von Amazon überraschte. Frustriert legte der Ex-Europachef wie sein Kollege aus Frankreich seine Ämter bei dem Internet-Händler nieder. Warum?

Ein bisschen Gefühl von heiler Welt kam auf, als Amazon , der Buchhändler mit dem weltweit größten Schuldenberg, Anfang 2002 erstmals schwarze Zahlen verkündete.

Nur wenig später war es vorbei mit dem Idyll. Zuerst trat Frankreich-Geschäftsführer Georges Aoun zurück. Seinen Posten übernahm Philipp Humm (42), bereits Deutschland- und Europa-Chef. Zwei Wochen später gab auch Humm auf und alle Ämter ab. Der plötzliche Rücktritt geschah offenbar nicht aus reiner Lust am Tapetenwechsel.

Während seiner zweijährigen Amtszeit hatte Humm nach und nach an Einfluss verloren. Von drei Verantwortungsgebieten hatte der erfolgreiche Manager zwei, nämlich die Sparten Customer Service und Distribution Center - an Manager verloren, die ihre Anweisungen direkt aus der Hauptverwaltung in Seattle bekamen.

Der neue Zentralismus verdross viele europäische Amazon-Mitarbeiter. Ein Ehemaliger beschreibt das so: "Man bekam aus Seattle gesagt, was zu tun ist. Da konnte man gleich zur Bundeswehr gehen."

Nun ist Humm ausgestiegen - und Diego Piacentini, Chef aller Auslandsfilialen, hat einen treuen Vasallen mehr. Thomas Lot, der neue Europa-Chef und Frankreich-Geschäftsführer, diente einst vier Jahre lang bei Apple. Sein Chef hieß damals Diego Piacentini.

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