D.Logistics Das Ende der Ära Hübner

Gründerchef Detlef Hübner verlässt das Unternehmen. Künftig will er nur noch Aktionär sein.

Hofheim - In gut 20 Jahren formte Detlef Hübner die Firma seines Großvaters, die Dönne+Hellwig GmbH, zum Spezialisten für professionelle Lagerbewirtschaftung, brachte sie schließlich an den Neuen Markt und avancierte als Vorsteher der inzwischen als D.Logistics  firmierenden Gesellschaft vorübergehend zum Börsenstar. Das war einst.

Die Aktie hat ihre besten Tage lange hinter sich - und auch der Gründerchef hat nun die Segel gestrichen. Wie das Unternehmen am Donnerstag ad hoc bekannt gab, habe Hübner den Vorstandsvorsitz bereits am 6. Februar an den früheren Degussa-Manager Ernst Gumrich übergeben. "Der Aufbau des Unternehmens ist erfolgreich abgeschlossen", kommentierte der ausgeschiedene Vorsteher, der nicht in den Aufsichtrat wechseln, aber dem Unternehmen als Aktionär auch künftig verbunden bleiben will, seinen Rückzug.

Was das Unternehmen jetzt brauche, so Hübners weitere Begründung, sei ein Management mit ausgeprägter Industrieerfahrung, das die "hervorragenden Marktpositionen" von D.Logistics weiter festige sowie Ertragskraft und Wachstum nachhaltig ausbaue.

Papiere weiter unter Druck

An der Börse gerieten D.Logistics nach Bekanntwerden des Ausstiegs von Hübner weiter unter Druck. Zum Börsenbeginn sank der Aktienkurs rasch um gut zehn Prozent auf das Tagestief von 6,20 Euro, konnte sich danach aber wieder erholen. Gegen 18 Uhr notierte der Titel bei 6,60 Euro und gehörte mit minus 4,76 Prozent gegenüber dem Vortag zu den größten Verlierern im Nemax 50, der zeitgleich rund 0,3 Prozent einbüßte und bei 1049,26 Punkten stand.

"Wenn der Vorstandschef und Hauptaktionär kurz vor Bekanntgabe von Geschäftszahlen ohne Vorwarnung ausscheidet, dann löst dies bei den Anlegern Alarm aus", sagte ein Händler. Der Kurs sei schon an den vergangenen fünf Handelstagen von acht Euro auf gut sechs Euro gesunken. "Das könnte darauf hindeuten, dass einige wieder mehr wussten als andere", sagte der Börsianer.

Da Hübner nun weder dem Vorstand noch dem Aufsichtsrat angehört, könne er seine Aktien jetzt ohne Wissen des Finanzmarktes verkaufen. "Die verschärften Melderegeln der Deutschen Börse für Aktienverkäufe gelten jetzt für den Hauptaktionär nicht mehr", sagte ein Analyst.

Verlorenes Vertrauen zurückgewinnen

Das Unternehmen sei zudem in der Vergangenheit wegen seiner Öffentlichkeitsarbeit und Bilanzpolitik unter Druck geraten, so der Experte weiter. Die Verbuchung von Beteiligungen habe "so manche Frage aufgeworfen". Dies hätte den Aktienkurs schon in der Vergangenheit belastet, hieß es.

Die Kommunikation zu verbessern, könnte also eine der künftigen Aufgaben des neuen Vorstehers, Ernst Gumrich, werden. Der 50-Jährige kam den Angaben zufolge 1984 zur Degussa und leitete hier unter anderem den Edelmetallbereich sowie die weltweite Konzernlogistik. Als Sprecher des Vorstandes baute Gumrich das durch die Ausgliederung von drei Geschäftsbereichen neu geschaffene Tochterunternehmen dmc2 auf, das im August 2001 an eine amerikanische Käufergruppe abgegeben wurde.

ck mit Agenturen

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