Porträt Wachablösung

Nach 132 Jahren deutscher Vorherrschaft erklimmt mit Josef Ackermann Ende Mai erstmals ein Ausländer die Spitze der Deutschen Bank.

Bereits vor seinem offiziellen Amtsantritt als Deutsche-Bank-Chef sorgen Josef Ackermanns Pläne für reichlich Wirbel in der Frankfurter Bankenmetropole. Mit der Zweiteilung der Konzernspitze in einen fünfköpfigen Vorstand und ein siebenköpfiges Exekutivkomitee unter Vorsitz Ackermanns sichert sich der gebürtige Schweizer ab Mai faktisch die Kompetenzen eines Chief Executive Officers (CEO) nach angelsächsischem Vorbild. Damit erhält Ackermann, der erste Ausländer in der 132-jährigen Geschichte an der Spitze der Deutschen Bank, eine Machtfülle von bis dato unbekanntem Ausmaß.

Eine bemerkenswerte Karriere. Für Ackermann aber keine Ausnahmeerscheinung. Bereits während seiner Zeit bei der Schweizerischen Kreditanstalt (SKA) bekleidete der 53-jährige Ackermann von 1977 bis 1990 zahlreiche Führungsposten. 1993 wurde der promovierte Volkswirt Präsident der SKA und avancierte somit zur Nummer zwei innerhalb der Schweizer Bankengruppe Credit Suisse.

Im Sommer 1996 schied Ackermann überraschend aus dem Konzern aus, da er sich dem Vernehmen nach mit seinem Mentor Rainer Gut nicht über die Integration der Schweizer Volksbank einigen konnte. Nur wenige Monate später heuerte Ackermann als Vorstand bei der Deutschen Bank an. Hier tat er sich vor allen Dingen bei der Integration der 1998 übernommenen US-Investmentbank Bankers Trust und als Leiter des Bereichs "Globale Unternehmen und Institutionen" hervor.

Neue Führungsstruktur nicht unumstritten

Das Ressort trug im Geschäftsjahr 1999 mehr als 60 Prozent zum Konzerngewinn der Deutschen Bank bei. Solche Erfolge steigerten Ackermanns Ansehen im Vorstand. Dies spielte er im Frühjahr 2000 geschickt aus, als er mit seinem Veto die von seinem Vorgänger Rolf Breuer anvisierte Fusion mit der Dresdner Bank platzen ließ.

Damit ihm Ähnliches nicht passieren kann, baut der Eidgenosse und London-Liebhaber die Vorstandsstruktur bei Deutschlands Vorzeigebank nun drastisch um. Dies ist nicht unumstritten, hebt er damit doch das bisher geltende Gleichheitsprinzip unter den Vorständen aus den Angeln. Nun ist eine Menge Überzeugungsarbeit gefragt. Aber der ehemalige Speerwerfer Ackermann dürfte es ja gewohnt sein , Kraftakte zu meistern.

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