Enron Der Sanierungsexperte

Stephen F. Cooper soll den angeschlagenen Konzern vor dem Aus retten.

Houston - Der insolvente Energiehandels-Konzern Enron hat den Sanierungs-Experten Stephen Cooper zum Interims-CEO ernannt. Der Amerikaner ist geschäftsführender Partner bei der New Yorker Gesellschaft Zolfo Cooper LLC, die auf die Sanierung angeschlagener Unternehmen spezialisiert ist.

Cooper hat 30 Jahre Erfahrung auf seinem Gebiet und wird von einem Experten-Team seiner Firma begleitet. Zolfo Cooper hatte zuvor mit angeschlagenen Großkonzernen wie Federated Department Stores, Sunbeam, Laidlaw, Polaroid zusammengearbeitet.

Der neue Interims-Chef und sein Team werden sofort mit dem Enron-Management und dem Gläubigerkomitee die Arbeit aufnehmen, um das Unternehmen zu reorganisieren und aus dem Konkurs zu führen, erklärte Enron.

Enron-Präsident wechselt zu UBS Warburg

"Wir konzentrieren uns auf die Enron-Zukunft. Enron hat mit mehr als 19.000 Mitarbeitern in aller Welt wirkliche Werte", sagte der neue CEO in einer ersten Stellungnahme. "Wir werden eng mit dem Verwaltungsrat, dem Management und dem Gläubigerausschuss kooperieren, um einen Reorganisationsplan aufzustellen und die Werte für die Anteilseigner der Gesellschaft zu erhöhen."

Der unter schwerem Beschuss stehende bisherige Konzernchef und Verwaltungsrats-Vorsitzende Kenneth Lay hatte in der vergangenen Wochen seine Posten niedergelegt. Der Enron-Verwaltungsrat will sich jetzt auf die Wahl eines neuen Leiters für das Aufsichtsgremium konzentrieren. Der bisher für die Tagesgeschäfte zuständige Enron-Präsident Lawrence G. Whalley hat seinen Posten niedergelegt und hat eine Position bei der Investmentbank UBS Warburg angenommen.

Weiter wurde bekannt, dass Enron in Großbritannien sowohl an die regierende Labour-Partei als auch an die oppositionellen Konservativen Geld gespendet hat, um Zugang zu Politikern zu bekommen. Dies räumte der frühere Europa-Chef von Enron, Ralph Hodge, im britischen Fernsehen BBC ein.

Wirbel in England wegen einer Enron-Spende

Während die Konservativen durch ihren Vizegeschäftsführer Tim Collins "bedauerten", eine Enron-Spende von 25.000 Pfund (41.000 Euro) angenommen zu haben, bestritt ein Regierungssprecher, das "Sponsoring" von Labour-Veranstaltungen durch Enron im Wert von 36 000 Pfund (59.000 Euro) habe irgendetwas mit zwei energiepolitischen Kurswenden der Regierung zu tun.

Einer Aufstellung von Downing Street 10 zufolge gab es zwischen 1998 und 2000 sieben Treffen zwischen Enron-Spitzenmanagern und Ministern oder Staatssekretären der Blair-Regierung. Der Premierminister selbst habe nicht zu den Gesprächspartnern gehört. Während der Kontakte mit Enron gab die britische Regierung ihren Widerstand gegen die Übernahme des Unternehmens für Wasserversorgung Wessex Water durch Enron auf und hob auch ein Moratorium für die Genehmigung neuer Gaskraftwerke auf.

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